Der Euro und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union

Das Meinungsklima im Februar 2000 - GRAFIK

Wien (OTS) - Themen:

Die Abwertung des Euro und die Folgen für Warenverkehr und Tourismus

Vertretung Österreichs in der Europäischen Zentralbank
Ursachen und Folgen der niedrigen Inflationsrate
Abschied vom anonymen Sparbuch
Beurteilung der EU-Mitgliedschaft (Zeitreihe)

1. Vorbemerkungen:

In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik hat die Sozialwissenschaftliche Studiengesellschaft (SWS) vom 31.01. bis 09.02.2000 eine Telefonumfrage durchgeführt, bei der die Einstellung der Österreicher zu Europathemen erforscht wurde. Die Stichprobe umfaßte die wahlberechtigte österreichische Bevölkerung über 18 Jahren mit einer Quotierung der österreichischen Bundesländer (N=970).

Die Fragethemen waren:

  • Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar
  • Vorteile und Nachteile für Exporteure, Importeure, Fremdenverkehr und die österreichische Wirtschaft als Ganzes
  • Vertretung österreichischer Interessen in der europäischen Zentralbank
  • Gründe für die gegenwärtig niedrige Inflationsrate
  • Nutznießer der niedrigen Inflationsrate
  • Nachteile des Abschieds vom anonymen Sparbuch
  • Informationsniveau über die Europäische Union
  • Gewicht Österreichs in der Europäischen Union (Zeitvergleich)
  • Vor- und Nachteil der Mitgliedschaft (Zeitvergleich)
  • Verbleib oder Austritt (Tendenzfrage, Zeitreihe 1995 - 2000)

2. Ergebnisse der Umfrage:

Frage 1: Haben Sie schon gehört oder gelesen, dass der Euro seit seiner Einführung gegenüber dem Dollar um 17 Cents weniger wert geworden ist.

Es antworteten:
Ja 87 %
Nein 12 %
weiß nicht/keine Antwort 1 %

Die Abweichungen von dem hohen Durchschnittsprozentsatz waren, wie nicht anders zu erwarten, gering und lagen bei 96% bei den Pensionisten und bei 78% bei den nicht Berufstätigen.

Frage 2: Für welche Bereiche der österreichischen Wirtschaft ist es Ihrer Meinung nach ein Vorteil und für welche ein Nachteil, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar billiger geworden ist?

Vorteil Nachteil weder weiß nicht/
/noch keine Antwort Exporteure 47 % 29 % 8 % 16 %
Importeure 27 % 48 % 6 % 18 %
Fremdenverkehr 45 % 26 % 17 % 11 %
Für Leute, die
außerhalb Europas,
z.B. in der Karibik
oder den USA Urlaub
machen 16 % 62 % 9 % 13 %

Wie nicht anders zu erwarten, ist das Informationsniveau an das Bildungsniveau gebunden. Dass es ein Vorteil für die Exporteure ist, meinen 56% der Maturanten und Akademiker aber nur 32% der Pflichtschulabsolventen ohne weitere Ausbildung. Ähnlich sind die Werte in der Beurteilung der Auswirkungen für die Importeure und den Incoming- und Outgoing-Tourismus.

Für die österreichische Wirtschaft als Ganzes:

Vorteil 18 %
Nachteil 47 %
weder/noch 19 %
weiß nicht/
keine Antwort 16 %

Wieso die Befragten die Abwertung des Euro als Nachteil für die österreichische Wirtschaft halten, ist schwer zu interpretieren. Während die Antworten von Akademikern und Pflichtschulabsolventen einen gleich hohen Prozentsatz wählen (43% und 42%), sind Pflichtschulabsolventen mit weiterer Ausbildung mit 50% pessimistischer. Möglicherweise vermuten die, die sie für einen Nachteil halten, dass gewisse Importwaren z.B. Erdöl und damit Treibstoffpreise teurer werden.

Frage 3: Wer vertritt Ihrer Meinung nach die Interessen Österreichs in der Europäischen Zentralbank in Frankfurt?

Es wählten die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten folgende Prozentsätze der Befragten:

Ja Neinweiß nicht/keine Antwort

Der Bankenverband23 % 38 % 39 %
Der Finanzminister28 % 50 % 21 %
Die Oesterreichische
Nationalbank 64 % 18 % 17 %
Der Aussenminister 17 % 62 % 20 %

Obwohl der größte Prozentsatz die richtige Antwort, nämlich die Oesterreichische Nationalbank, gewählt hat, sind selbst Akademiker und Maturanten mit 70% JA nicht optimal informiert.

Frage 4: Gegenwärtig haben wir eine besonders niedrige Inflationsrate wie schon seit Jahrzehnten nicht. Was glauben Sie, ist die Ursache dafür?

Die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten wählten folgende Prozentsätze der Befragten:

ja nein weiß nicht/keine Antwort
Die niederen Lohnab-
schlüsseder
Gewerkschaften 38 % 50 % 12 %
Die Mitgliedschaft in der
Europäischen Union 50 % 42 % 8 %
Die stärkere
internationale
Konkurrenz 55 % 36 % 9 %
Die Einführung des
Euro 34 % 54 % 12 %

Die stärkere internationale Konkurrenz und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union stehen im Vordergrund, wobei Akademiker und Maturanten überdurchschnittlich häufig die Mitgliedschaft in der Europäischen Union, Pflichtschulabsolventen mit und ohne weiterer Ausbildung mit 59 % und 61 % die stärkere internationale Konkurrenz nennen.

Frage 5: Was meinen Sie, für wen ist die niedrige Inflationsrate wichtig, weniger wichtig oder gar nicht wichtig?

Es wählten die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten folgende Prozentsätze der Befragten:

wichtig weniger gar nicht weiß nicht/ wichtig wichtig keine Antwort

Für die Sparer 50 % 26 % 18 % 6 %
Für die
Unternehmer 66 % 20 % 6 % 8 %
Für die
Pensionisten 69 % 18 % 10 % 3 %
Für das
Bundesbudget 71 % 12 % 5 % 11 %
Für die Bezieher
kleiner Einkommen78 % 11 % 7 % 4 %

Dass eine niedrige Inflationsrate für alle wichtig ist, wird anerkannt. Die 16-24jährigen sind mit 72% überdurchschnittlich häufig der Auffassung, dass sie für die Sparer wichtig ist. Im Übrigen wird erkannt, dass eine niedrige Inflationsrate besonders für die wirtschaftlich Schwächeren, also Pensionisten und Bezieher kleinerer Einkommen, wichtig ist.

Frage 6: Alles in Allem, wie gut fühlen Sie sich über die Europäische Union, ihre Politik und ihre Institutionen informiert?

Es wählten die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten folgende Prozentsätze der Befragten:

gut 25 %
einigermaßen 47 %
wenig bis gar nicht 28 %
weiß nicht/keine Antwort 1 %

Die selbe Frage wurde im Februar 1997 gestellt.

gut 13 %
einigermaßen 56 %
wenig bis gar nicht 30 %
weiß nicht/keine Antwort 1 %

Der Informationsgrad ist also deutlich gestiegen und zwar in Richtung von "einigermaßen" auf "gut". Der Prozentsatz, der antwortete "wenig bis gar nicht", ist nur ganz geringfügig zurückgegangen. In den letzten 3 Jahren hat also das Wissen über die Europäische Union in der Meinung der Österreicher zugenommen.

Frage 7: Haben Ihrem Eindruck nach die Vertreter Österreichs in der Europäischen Union bei Entscheidungen einen relativ großen Einfluss, einen gewissen Einfluss, eher wenig Einfluss, überhaupt keinen Einfluss und weiß nicht.

Es wählten die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten folgende Prozentsätze der Befragten:

einen relativ großen Einfluss 6 %
einen gewissen Einfluss 38 %
eher wenig Einfluss 43 %
überhaupt keinen Einfluss 12 %
weiß nicht/keine Antwort 1 %

Im Februar 1997 gab es folgende Antwortstruktur:

einen relativ großen Einfluss 3 %
einen gewissen Einfluss 34 %
eher wenig Einfluss 47 %
überhaupt keinen Einfluss 11 %
weiß nicht/keine Antwort 6 %

Im Verlauf von 3 Jahren hat sich die Meinung, dass wir Einfluss haben, verstärkt, vorwiegend zu Lasten der Antwort weiß nicht. Ob sich diese Meinung in den kommenden Monaten verändern wird, wäre durch weitere Umfragen zu untersuchen.

Frage 8: Ist es für Sie persönlich ein Nachteil, wenn das anonyme Sparbuch in naher Zukunft abgeschafft wird?

Es wählten die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten folgende Prozentsätze der Befragten:

großer Nachteil 15 %
geringer Nachteil 12 %

kein Nachteil 62 %
ist mir egal 11 %
weiß nicht/keine Antwort 1 %

Die früher oft geäusserte Annahme, dass vor allem die über 60jährigen besonders am anonymen Sparbuch hängen, erweist sich als Irrtum. Innerlich haben die Österreicher offensichtlich schon vom anonymen Sparbuch Abschied genommen.

Frage 9: Von der Europäischen Union gibt es verschiedene Maßnahmen (z.B. Subventionen, erhöhter Mitgliedsbeitrag). Ist bei zusammenfassender Betrachtung die Mitgliedschaft in der EU für Österreich ein Vorteil oder ein Nachteil?

Es wählten die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten folgende Prozentsätze der Befragten:

ein Vorteil 52 %
ein Nachteil 28 %
weder noch 17 %
weiß nicht/keine Antwort 4 %

Bei dieser Frage gibt es bemerkenswerte Unterschiede zwischen der Einstellung von Männern und Frauen. 60% der Männer aber nur 45% der Frauen halten die Mitgliedschaft für einen Vorteil. 24% der Männer und 31% der Frauen für einen Nachteil. Auch zwischen Akademikern/Maturanten sowie Pflichtschulabsolventen ohne weitere Ausbildung gibt es bei der Antwortmöglichkeit "Vorteil" einen großen Unterschied. 62% der Maturanten und Akademiker, aber nur 37% der Pflichtschulabsolventen ohne weitere Ausbildung halten die Mitgliedschaft für einen Vorteil. Nur bei den Anhängern der FPÖ überwiegen mit 45% jene, die die Mitgliedschaft für einen Nachteil halten, 35%, die sie für einen Vorteil halten. Jene Befragten, die für einen Verbleib in der Europäischen Union sind, sind zu 65% der Auffassung, dass die Mitgliedschaft ein Vorteil ist. Jene, die für einen Austritt sind, halten sie zu 75% für einen Nachteil.

Frage 10: Sollte Österreich Ihrer Meinung nach Mitglied der EU bleiben oder wieder austreten?

Es wählten die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten folgende Prozentsätze der Befragten:

bei der EU bleiben 76 %
wieder austreten 17 %
weiß nicht/keine Antwort 7 %

Die Unterschiede der Einstellung zwischen Männern und Frauen zeigen sich auch hier mit 82% zu 71%. Bei 16-24jährigen 91% gegenüber über 60jährigen 65%, Maturanten und Akademikern 85% gegenüber Pflichtschulabsolventen ohne weitere Ausbildung 57%. Im Vergleich mit der November-Umfrage 1999 hat sich der Prozentsatz der FPÖ-Anhänger, der für den Verbleib in der Europäischen Union ist, kaum verändert -er hat nur von 58% auf 59% zugenommen. Jene Befragten, die meinen, dass die Mitgliedschaft in der EU ein Vorteil für Österreich ist, sind zu 95% für den Verbleib in der EU. Die Tendenzfrage zeigt von November 1999 bis Februar 2000 einen Rückgang der positiven Stimmung gegenüber der EU und liegt wieder auf den Werten der Vorjahre.

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