In der morgen erscheinenden Ausgabe veröffentlicht NEWS Auszüge einer Rede des Popstars Sting zur politischen Situation in Österreich. VORRAUSMELDUNG NEWS 9/00 vom 2.3.00

Wien (OTS) - "Jörg Haider ist nicht Adolf Hitler, die Freiheitlichen sind nicht die Nazis. Aber es gibt genügend Parallelen, die die Alarmglocken läuten lassen und keiner von uns darf es sich leisten sich in Selbszufriedenheit zu wiegen. In vielen Ländern der Europäischen Union gibt es rechtsgerichtete Parteien, nun hat sich eine erstmals nach dem zweiten Weltkrieg einen Platz in der Regierung gesichert. Das ist bezeichnend, weil es überall passieren kann, wo solche Parteien in einem demokratischen Umfeld existieren, in dem sich Teile der Gesellschaft aufgrund der Stümpereien und oftmals korrupten Politik der Mitte-Parteien, die Europa seit über 50 Jahren regieren, desillusioniert fühlen. So entstand ein Vertrauensvakuum zwischen der regierenden Elite und dem Wahlvolk. Das ist eine bedeutende und gefährliche Situation.

Meine erste Reaktion war, meine Österreich-Konzerte abzusagen, doch nach sorgfältigem Abwägen habe ich mich anders entschieden. Einige Künstlerkollegen haben sich vorgenommen das Land zu boykottieren. Diesen Entschluß respektiere ich, aber hören Sie auch meine Gründe an: Wir können nicht von der Demokratie lassen, weil es uns nicht gefällt was durch die Hintertür kommt. Wir müssen das Problem durch Engagement, Dialog und Aufklärung lösen. Ein Kulturboykott gegen Österreich hätte negative Auswirkungen. Wenn wir noch daran glauben mit der Macht populärer Kultur die Ansichten der Menschen beeinflußen zu können, ist die Zerstörung des Forums mit dem wir arbeiten extrem kurzsichtig. Mit dramatischen Absage-Gesten verbauen wir uns lediglich die Übertragungswege für unsere Ideen, denn dann gibt es kein Forum mehr unsere Ideen zum Ausdruck zu bringen, und wir machen uns selbst überflüssig. Und, viel wichtiger:
Wir lassen die gleichgesinnten Teile der Gesellschaft allein. Die freiheitliche Partei wird sich nicht auflösen, weil ich und andere Künstler nicht nach Österreich kommen. Und, darauf können Sie sich verlassen, in einer isolierten Gesellschaft gedeiht politischer Extremismus noch besser. Das Abschnüren des Blutkreislaufs von kulturellem Austausch und Ansichten, liefert die gesamte Gesellschaft denjenigen auf einem Silbertablett an, die sie mit ihren engstirnigen und fremdenfeindlichen Weltanschauungen untergraben. Ein Kulturboykott hat bislang nur einmal, in Südafrika, funktioniert, als die regierende Elite von der Weltgemeinschaft beschämt und geächtet wurde. Österreich ist immer noch eine offene Gesellschaft und populäre Kultur ist ein lebendiger Kanal um sie offen zu halten. Um eine positive Wende zu erreichen, dürfen wir den Idealismus und Mut der jungen Menschen in Österreich nicht im Stich lassen. Sie brauchen unsere Unterstützung und unsere Freundschaft. Sie haben einen Kampf vor sich und wir müssen das Wahlergebnis kippen."

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