Ferienhotellerie wolkenlos, Städtetourismus leicht bewölkt

Fachverbandsvorsteher Melcher zieht Bilanz der Wintersaison -"Regierungsprogramm trotz einiger Tücken insgesamt positiv"

Wien(PWK) Die österreichische Hotellerie zieht eine erfolgreiche erste Bilanz der Wintersaison. Die Ferienregionen melden durchwegs leichte Zuwächse. In Tirol gab es starke Zuwächse im Jänner, gerade bei den Gästen aus Belgien (plus 19 Prozent) und den Niederlanden (plus 18 Prozent). Bei optimaler Schneelage sind die Semesterferienwochen glänzend gelaufen, berichtet der Vorsteher des Fachverbandes Hotellerie, Hans Melcher.

Insgesamt meldet die Ferienhotellerie einen sehr guten bis guten Verlauf der bisherigen Wintersaison. Etwas anders die Situation im Städtetourismus: Sowohl Wien als auch die Stadt Salzburg spüren die politische Situation mit einigen Stornos. Die Wiener Spitzenhotels müssen den Ausfall von etwa 10.000 Nächtigungen verkraften. Salzburger Jugendgästehäuser spüren das Ausbleiben belgischer Schülergruppen. "Obwohl jedes Storno weh tut, kann man doch sagen, dass sich die Ausfälle im Verhältnis zum Gesamtvolumen in engen Grenzen halten. So zählt Wien rund drei Millionen Winternächtigungen, der Ausfall entspricht etwa drei Promille", stellte Melcher am Mittwoch vor Journalisten fest.

Derzeit ist es nicht möglich, die Lücken am Arbeitsmarkt durch inländische Mitarbeiter zu füllen. Das Vorhaben der Bundesregierung, ein Saisonnierstatut nach Schweizer Muster einzuführen, ist somit positiv, kommentierte der Sprecher der Hotellerie. Vorgesehen sind 5.500 bis 8.000 Saisonniers pro Saison.

Erfreulich ist nach den Worten Melchers die qualitative Entwicklung. In der 5- und 4-Sternekategorie gibt es heute mit 172.000 Betten fast schon die gleiche Kapazität wie im 1- und 2-Sternebereich (177.000). Bereits 41 Prozent der Nächtigungen entfallen auf die beiden obersten Kategorien (gegenüber rund einem Drittel zu Beginn der 90er Jahre).

Als Arbeitsschwerpunkte des Fachverbandes für die kommenden Jahre bezeichnete Melcher die Verbesserung der Kostenstruktur, eine Unterstützung bei der Betriebsführung, Sicherung der Arbeitskräfte sowie eine verstärkte Nachwuchswerbung durch Berufsinformationen bereits in den Schulen. Vorgestellt wurde eine neue Unterlage zur Unterrichtsgestaltung in der 7. bis 9. Schulstufe.

Aus der Sicht der Hotellerie sehr positiv ist die Schaffung eines Staatssekretariats für Tourismus. Weniger erfreulich in Hinblick auf die touristische Mobilität ist eine Verdoppelung der Autobahnmaut sowie eine Maut für touristische Reisebusse.

Schwerpunktmäßig ist die Hotellerie von den Plänen der Regierung im Bereich Arbeitsrecht betroffen: Erleichterungen könnte die Liberalisierung der Arbeitsvermittlung bringen, insbesondere bei einer funktionierenden überregionalen Vermittlung. Die Reform des Arbeitnehmerschutzes würde dem Hotelier endlich die Rolle des "Hilfssheriffs für die Verwaltung" ersparen. Begrüßt wird die Initiative zur Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge. Wichtig sei jedoch, das Versicherungsprinzip beizubehalten. Gefördert wird die Ausbildungsbereitschaft der Hotelbetriebe durch Verlängerung der Arbeitszeit für Jugendliche bis 23.00 Uhr sowie durch Verlängerung der Probezeit bei Lehrlingen auf drei Monate.

Nicht auf Zustimmung stößt die Abgeltung von "Abfertigungsansprüchen" bei Selbstkündigung. Dieses Vorhaben sei nicht finanzierbar, betonte Melcher. Treffen würde die Hotellerie, die einen Arbeiteranteil von 87 Prozent hat, die Angleichung der Entgeltfortzahlung bei Arbeitern und Angestellten. Die damit verbundene Urlaubsaliquotierung brächte zwar eine Erleichterung, allerdings in viel geringerem Maße. Eine Verlängerung der Kündigungsfristen wäre mit der saisonalen Struktur nicht vereinbar. Die Verdoppelung der Energieabgabe ohne Deckelung würde zu einer starken Belastung führen. "Insgesamt sehen wir das Regierungsprogramm trotz mancher Tücken positiv. Ein Indikator für die Branchenstimmung ist die Investitionstätigkeit. Hier erwarten wir 18 bis 20 Milliarden Schilling im laufenden Jahr und damit eine Beibehaltung des hohen Niveaus". (hp)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Gregor Herzog
Tel: 50105-3555

Fachverband Hotellerie

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK