Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Schüssels fehlende Courage

Ausgabe vom 1.3.2000

Die Haiderianer feiern den Rückzug ihres Chefs als genialen Schachzug, die Gegner sprechen von einem billigen taktischen Manöver. Beide haben Recht, es kommt nur auf die Betrachtungsweise an. Genial, weil sich der Bärentaler als "einfaches FPÖ-Mitglied" künftig von jeder Verantwortung drücken kann. Immerhin hat die blau-schwarze Bundesregierung einen Rucksack voller Belastungen für die Österreicher bereit.

Genial, weil er von Kärnten aus weiter die Fäden ziehen und wieder auf Oppositionskurs gehen kann, um für seine Wähler zur richtigen Zeit wie Messias in den Himmel, sprich Ballhausplatz, aufzusteigen und Kanzler von Österreich zu werden. Warum Wolfgang Schüssel dieses Spiel nicht durchschauen wollte, ist unverständlich. Mit etwas Courage hätte er Haiders Rücktritt zum Anlass nehmen können, der blauen Amateurtruppe die Freundschaft aufzukündigen und sich neue Partner zu suchen. Aber offensichtlich ist dem ÖVP-Chef die Eitelkeit, kurzfristig Kanzler zu bleiben, wichtiger als langfristige Perspektiven.

Haiders Gegner sprechen dem Bärentaler jede politische Moral und Handschlagqualität ab. Er sei jemand, der seine eigene Großmutter verkaufen würde, heißt es. Fühlt er sich jener Präambel, die er bei der Regierungsbildung unterzeichnete, noch verpflichtet, oder ist sie nicht einmal das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurde? Jedenfalls hat sein Rücktritt bei den EU-Ländern nicht bewirkt, was Optimisten erhofft hatten: Ein rasches Ende der Isolation Österreichs. Im Gegenteil, die Staatengemeinschaft will den Druck auf Wien fortsetzen.

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