Rücktritt ohne Fortschritt

Haiders Rückzug nützt nur einem: Haider
(Von Karl Danninger)

Auf Jörg Haider sind die Gesetze der Logik nicht anwendbar. Es stellt sich daher auch nicht die Frage, ob der Rückzug Haiders aus der Funktion des FP-Bundesparteiobmanns für irgendwen Ð außer für ihn Ð nützlich oder gar befreiend ist.
Ginge es Haider Ð und das ist kein Beitrag zu der unsäglich dummen Dämonisierung, die seine angeblichen Gegner so geschäftstüchtig betrieben haben Ð um einen Dienst an der Repub-lik, dann hätte er bereits am Tag der Angelobung der neuen Bundesregierung zurücktreten müssen. An jenem 4. Februar hätte ein Rückzug noch die Chance gehabt, als Signal aufgefasst zu werden.
Ginge es Haider um einen Dienst an der neuen Bundesregierung, für die er eine Präambel unterzeichnet hat, dann hätte er mehr Sorgfalt bei der Auswahl seiner Minister an den Tag legen müssen Ð Stichworte: Krüger, Sickl.
Ginge es ihm um Österreichs Ruf in Europa und in der Welt, dann hätte Haider sich selbst bloß ein Schweigegebot auferlegen und sich daran halten müssen.
Aber das alles hat er unterlassen und stattdessen eine Inszenierung gewählt, aus der nur einer Vorteil zieht: Haider selbst. Und nicht die Republik. Er wird weiter die Personifizierung der FP sein. Da mag sich eine makellose Nachfolgerin noch so sehr ins Rampenlicht stellen, die Beleuchtung wird auf Haider gerichtet sein. Haider wird der neuen Regierung viel Glück wünschen, an deren Schwierigkeiten aber nicht Anteil haben, an deren möglichen Erfolgen jedoch schon.

Trotzdem hat die neue Bundesregierung noch eine Chance, nach dem kläglichen Start Tritt zu fassen. Und es wird an Haider liegen, dass er zulässt, Kompetenz abseits oppositionellen Rabaukentums zu beweisen. Es wird interessant sein zu beobachten, ob die Partei nach 14 Jahren bereits so auf Haider ausgerichtet ist, dass keine Kritik an dem scheidenden Obmann laut wird; ob also Haider seine Kanzlerkandidatur unangefochten auch ohne Parteiführerschaft vorbereiten kann.
Dass die Oppositionsparteien, deren größere im Moment ja nicht gerade gefestigt dasteht, weiter ihre Angriffe auf Haider konzentrieren werden, wenn sie die Regierung treffen wollen, scheint logisch, wird damit doch der Vorwurf der Fernsteuerung aus Klagenfurt untermauert. Wie aber wirkt sich der Haider-Rückzug von der Obmann-Funktion auf den Regierungspartner VP aus?

So verblendet kann die VP-Führung nicht sein, dass sie glaubt, was sie zuletzt über Haider gesagt hat. Dass sich Haider gewandelt habe, war vom Bundeskanzler und VP-Obmann zu hören. Dass man Haider nicht zu isolieren brauche, war von der Außenministerin zu hören. Lediglich Wirtschaftsvertreter ließen zuletzt noch kritische Töne vernehmen.
Nur der bürgerliche Hang zur Selbsttäuschung kann Ursache für die neue Einschätzung sein. Denn der neue Haider ist der alte Haider, und der ist der neue Haider. Und wenn er jetzt scheinbar in den Hintergrund tritt, ist das nur ein weiterer Baustein der Erfahrung, dass die Gesetze der Logik nicht auf Haider anzuwenden sind.

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