"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Neue" (von Doris Piringer)

Ausgabe vom 01.03.2000

Graz (OTS) - Wohl sehr spät hat man gestern Michael Krüger als Justizminister aus dem Verkehr gezogen. Denn jede Entscheidung in diesem sensiblen Ressort kann weit reichende Konsequenzen haben. Krüger war nie Haiders erste Wahl, er wurde über Nacht aus dem Ärmel gezaubert, nachdem andere abgesagt hatten.

Jetzt ist Dieter Böhmdorfer der neue Chef im Justizressort. Ein wortgewaltiger Rechtsanwalt, der hauptsächlich einen Klienten betreute: Jörg Haider und dessen zahllose Prozesse.

Von dem 55-jährigen Wiener weiß man eines: Er gilt als Mann fürs juristisch Grobe, er flog wegen seiner messerscharfen Tiraden auch schon einmal aus einem Gerichtssaal.

Und noch etwas weiß man: Böhmdorfer teilt sein Umfeld in jeweils zwei Kategorien. Nämlich Freund und Feind. Kläger und Beklagte. Gewinner und Verlierer. FPÖ und nicht FPÖ.

Der streitbare Jurist ist im Gerichtssaal ein brillanter Rhetoriker, der weder Angriff noch Untergriff scheut. Ob das die idealen Voraussetzungen für ein Regierungsmitglied sind, ist eine andere Frage.

Und ob diese bedingungslose FPÖ-Liebe ein Garant für die Unabhängigkeit der Justiz ist, darf zumindest hinterfragt werden. ****

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