OeNB-Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute und der Investmentfonds im Jahr 1999

Wien (OTS) -

  • Die Anzahl der Bankstellen in Österreich sank 1999 um 20 gegenüber 1998.
  • Der Bilanzsummenanstieg war 1999 geringfügig schwächer als im Vorjahr.
  • Die Direktkredite stiegen im Jahr 1999 um +5,2% und damit etwas dynamischer als im Vorjahr. Der Fremdwährungskreditanteil stieg auf 15,7 %.
  • Die Einlagen erhöhten sich um +3,1% und damit doch spürbar schwächer als noch 1998.
  • Der Zuwachs eigener Inlandsemissionen war beinahe viermal so hoch wie jener der Einlagen.
  • Rund die Hälfte des heurigen Bilanzsummenanstiegs resultierten sowohl aktiv- als auch passivseitig aus der Ausweitung des Auslandsgeschäfts.
  • Die besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäften wurden um +51,2% ausgeweitet.
  • Der Eigenmittelstand lag zum Jahresultimo bei 13,93% der Bemessungsgrundlage.

Bankstellen
Die Konsolidierung im österreichischen Bankwesen setzte sich 1999 fort, wenngleich große Bankenzusammenschlüsse in diesem Jahr nicht stattfanden. Die Anzahl der selbständigen Kreditinstitute und Niederlassungen verringerte sich um 20 auf 951, womit die Bankstellendichte praktisch unverändert blieb. In den mehrstufigen Sektoren wurden weiterhin kleinere Banken durch größere Institute übernommen, wodurch größere regionale Einheiten bzw. überregional tätige Institute entstanden.

Die Zahl der österreichischen Auslandsfilialen stieg im Berichtsjahr von 20 auf 22, davon waren 1999 10 (1998: 8)in der EU ansässig. Ende 1999 in Österreich waren 28 (1998: 26) Banken mehrheitlich im ausländischen Besitz. Hiervon stammten 9 Kredit-institute zur Gänze aus der EU, bei 6 weiteren Kreditinstituten bestanden Beteiligungen von EU-Instituten in unterschiedlicher Höhe. Darüber hinaus wurden 15 (1998: 12) Zweigstellen, hiervon 14 aus der EU, und 30 (1998: 31) Repräsentanzen von ausländischen Kreditinstituten betrieben. Grundsätzlich ist ein Trend zur Umwandlung bisher rechtlich selbständiger Tochtergesellschaften von ausländischen Banken in unselbständige Zweigniederlassungen erkennbar.

Geschäftsentwicklung
Die Bilanzsumme der österreichischen Kreditinstitute wuchs im Jahr 1999 um +9,1% und damit geringfügig schwächer als in der Vergleichsperiode des Vorjahres (+10,3%). Sowohl aktiv- als auch passivseitig wurde das Bilanzsummenwachstum zu einem großen Teil vom Auslandsgeschäft getragen, während im Vorjahr noch der inländische Zwischenbankverkehr hauptverantwortlich für den Bilanzsummenanstieg gewesen war.

Das Volumen der aushaftenden Direktkredite an inländische Nichtbanken stieg 1999 um +5,2% und somit etwas dynamischer als im Vorjahr (+3,9%). Gleichzeitig sanken aufgrund des im Vergleich zu 1998 tieferen Zinsniveaus die aufgelaufenen debitorischen Zinsen um rund -6%.

Die Kreditausweitung erfolgte auch 1999 zum weitaus überwiegenden Teil in Fremdwährung. Mehr als die Hälfte des gesamten Fremdwährungskreditzuwachses im letzten Jahr (+12,1 Mrd EUR oder +59,6%) entfiel auf Schweizer Franken-Ausleihungen. Über zwei Drittel der aushaftenden Fremdwährungskredite lauteten per Ende 1999 auf Schweizer Franken. Massiv gesteigert haben sich im 4. Quartal 1999 die Ausleihungen an inländische Nichtbanken in Japanischen Yen, auf die praktisch das gesamte Wachstum der Fremdwährungskredite im
4. Quartal 1999 (+2,0 Mrd EUR oder +6,5 %) entfiel. Der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten Direktkrediten steigerte sich von 10,9% im Jänner auf 15,7% im Dezember.

Ende September 1999 (aktuellere Werte liegen noch nicht vor) betrug der Anteil der von österreichischen MFIs an inländische Nichtbanken gewährten Schweizer Franken-Kredite an den gesamten im Euroraum vergebenen Schweizer Franken-Krediten 38,2%. Für die Ausleihungen in Yen errechnete sich Ende September 1999 ein Österreichanteil von 21,0 %. Vergleichsweise dazu belief sich der Anteil der an inländische Nichtbanken in Österreich vergebenen Ausleihungen an jenen im gesamten Euroraum nur auf 3,3 %.

Die Kreditnachfrage war sektoral unterschiedlich ausgeprägt. Die Kreditvergabe an Unternehmen wuchs 1999 mit einer Jahreswachstumsrate von +4,1% merklich langsamer als im Jahr zuvor, gewann jedoch angesichts der anziehenden inländischen Nachfrage sowie einer Verbesserung der internationalen Rahmenbedingungen im Jahresverlauf an Dynamik. Sie zeigte - wie schon in den Jahren zuvor - eine relativ hohe Übereinstimmung mit der Entwicklung der Brutto-Anlage-investitionen.

Weiterhin überaus dynamisch gestaltete sich die Entwicklung der Forderungen an die privaten Haushalte. Neben der Zinsentwcklung wurde die Kreditaufnahme auch durch die Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern begünstigt. Der öffentliche Sektor reduzierte seine Bankverbindlichkeiten weiter (-2,4%), wenngleich etwas langsamer als im Vorjahr.

Im Bereich der titrierten Kredite meldeten die Kreditinstitute 1999 einen etwas stärkeren Rückgang (-7,9%) als im Jahr zuvor (-6,1%). Betragsmäßig nahmen die anderen Schuldtitel öffentlicher Stellen, die zur Refinanzierung zugelassen sind, am meisten ab, gefolgt von den Schuldverschreibungen und anderen festverzinslichen Wertpapieren.

Die Einlagen inländischer Nichtbanken bei den Kreditinstituten erhöhten sich im Jahr 1999 um +3,1% und damit doch spürbar schwächer als noch 1998 (+5,0%). Die Struktur der Einlagen (von nicht-finanziellen Unternehmen) verschob sich dabei weiter in den liquiden Fristigkeitsbereich. Diese erhöhte Liquiditätspräferenz spiegelte sich auch in der Entwicklung der einzelnen Einlagenkategorien wider:
Während die Sichteinlagen um +11,1% anstiegen, nahmen die Termineinlagen um -2,3% ab. Die Spareinlagen wuchsen zwar um
+2,46 Mrd EUR (+2,1%), was jedoch ausschließlich auf die zum
31.12. 1999 kapitalisierten Spareinlagenzinsen zurückzuführen war; ohne diese ergab sich ein Nettoabgang von -0,57 Mrd EUR. Damit sind die Spareinlagen nun schon fünf Jahre hintereinander nach Abzug der kapitalisierten Zinsen gesunken.

Der Zuwachs eigener Inlandsemissionen an Nichtbanken (+12,1%) war 1999 prozentmäßig beinahe viermal so hoch wie jener der Einlagen. Der Zuwachs teilte sich je rund zur Hälfte auf die begebenen Schuldverschreibungen und auf die anderen verbrieften Verbindlichkeiten auf.

Rund die Hälfte des Bilanzsummenanstiegs resultierten sowohl aktiv- als auch passivseitig aus der Ausweitung der Auslandsforderungen bzw. -verbindlichkeiten, die 1999 um +18,6% bzw. +16,0% gesteigert wurden. Der Anteil der Auslandsaktiva der Bilanzsumme stieg um 2 Prozentpunkte auf 25,0%, das ist der höchste je verzeichnete Jahresultimowert. Besonders dynamisch expandierte im abgelaufenen Jahr der Bestand an ausländischen Wertpapieren und Beteiligungen. Auch die Kredite an ausländische Nichtbanken wiesen ein erheblich stärkeres Wachstum als im Vorjahr auf. Bei den Auslandspassiva wuchsen vor allem die Zwischenbankverpflichtungen sowie der Absatz von inländischen Bankenemissionen an Ausländer. Die Einlagen der ausländischen Nichtbanken erhöhten sich hingegen etwas schwächer als im Jahr zuvor.

Nach den Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten im Jahr 1998 und dem damit verbundenen Einbruch bei den besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäften konnten die Kreditinstitute 1999 diese wieder massiv steigern (+51,2%). Zum 31.12. betrug der Stand der besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäfte 656,44 Mrd EUR und damit rund 125% der Gesamtbilanzsumme der österreichischen Kreditinstitute.

Der Stand der Eigenmittel der österreichischen Kreditinstitute betrug zum Jahresultimo 35,16 Mrd EUR und ist im Vergleich zu 1998 somit um +5,8% gestiegen. Der Eigenmittelstand in Prozent der Bemessungsgrundlage lag bei 13,9% (1998: 14,3%).

Investmentfonds
Das dynamische Wachstum der heimischen Investmentfonds konnte sich 1999 noch verstärken; der Anstieg ihres Vermögensbestandes um 44,3% die höchste Zunahme seit 11 Jahren. Im 4. Quartal überstieg das Fondsvolumen der österreichischen Kapitalanlagegesellschaften die 1.000 Mrd.S-Grenze. Auch die Anzahl der Fonds zeigte mit einem zusätzlich Angebot von 290 Fonds die zunehmende Diversifizierung der heimischen Investmentfondsbranche.

Wie in den Vorjahren erhöhte sich der Aktienanteil in den Portfolios der inländischen Investmentfonds; 1999 stieg er von 16,9% auf 20,3%. Demgegenüber sank der Anteil der Rentenwerte von 73,5% auf 65,0%. Eine weitere Verlagerungstendenz zeigt sich von Inlands- zu Auslandsveranlagungen. Diese Verlagerung hat sich nach einer Verlangsamung im Jahr 1998 im Berichtsjahr massiv verstärkt. Flossen 1998 noch rund 52% des Vermögenszuwachses in ausländische Wertpapiere, so haben im Berichtsjahr die Veranlagungen im Ausland mit einer Zunahme von +18,3 Mrd EUR (+87,5%) gegenüber der inländischen Fondsvolumenssteigerung (bereinigt um inländische Investmentzertifikate) mit +2,6 Mrd EUR bzw.+12,5% massiv überwogen.

Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich

Stand kumulative Veränderung 1) 1999/12 1998 1999
in Mrd EUR in % in Mrd EUR in % Einlagen von inländ.
Nichtbanken ............ 171,83 +7,96 +5,00 +5,16 +3,10 Eigene inländische
Emissionen a.Nichtbanken 46,99 -1,98 -4,50 +5,09 +12,10 Geldkapitalbildung von
inländ.Nichtbanken ..... 218,81 +5,98 +3,00 +10,25 +4,90 Direktkredite an
inländ.Nichtbanken ..... 210,80 +7,60 +3,90 +10,51 +5,20 Titrierte Kredite an
inländ.Nichtbanken ..... 25,18 -1,76 -6,10 -2,17 -7,90 Gesamtkredite an
inländ.Nichtbanken ..... 235,98 +5,84 +2,60 +8,34 +3,70 Auslandsaktiva ......... 131,38 +5,35 +5,10 +20,64 +18,60 Auslandspassiva ........ 147,24 +7,07 +5,90 +20,31 +16,00 Bilanzsumme ............ 524,64 +44,81 +10,30 +43,78 +9,10 Nicht bilanzwirksame
Geschäfte .............. 702,19 -9,79 -1,99 +223,58 +46,71 .hievon besondere
außerbilanzmäßige
Finanzgeschäfte ...... 656,44 -16,47 -3,66 +222,32 +51,21 Eigenmittel absolut .... 35,16 +4,43 +15,40 +1,94 +5,80 Eigenmittel in % der
Bemessungsgrundlage 2) . 13,93

1) Aufgrund der Umstellung auf Euro kann wegen fehlender

Vorjahresvergleichswerte keine Untergliederung der Positionen in Euro und Fremdwährung dargestellt werden.
2) Betreffend jene Banken, die laut BWG zur Haltung von Eigenmitteln

verpflichtet sind.

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