"Kleine Zeitung" Kommentar: "Fehleinschätzung" (von Stefan Winkler)

Ausgabe vom 28.2.2000

Graz (OTS) - Siege haben viele Väter, bei Niederlagen hält sich die Selbsterkenntnis meist in Grenzen. So auch bei Heide Schmidt. Als eine der Ursachen ihres politischen Scheiterns nannte die ehemalige liberale Bundessprecherin, dass die Liberalen ihren Kampf für eine offene Gesellschaft zu wenig an Beispielen verdeutlicht hätten. Damit verkannte Heide Schmidt einmal mehr hartnäckig das wahre Dilemma liberaler Politik in Österreich.

Tatsächlich besitzt Liberalismus europäischer Prägung hierzulande nur wenig Tradition. Wenn es je Ansätze liberaler Positionen gab, so waren sie spätestens seit dem 19. Jahrhundert mit einem Bekenntnis zum Deutschnationalismus verbunden.

Hier, nämlich in der FPÖ, liegen auch Schmidts Wurzeln sowie der Hauptgrund ihres Scheiterns. Als Konvertitin hat sie in kompensatorischem Übereifer ausschließlich auf Randthemen wie Sterbehilfe, Ethikunterricht und Kruzifixdebatte gesetzt. Anstatt ein Land, das die Aufklärung nur als "verhungerte Revolution" Josefs II. erlebt hat, klug mit homöopathischen Dosen zu verarzten, wollte uns Schmidt mit der liberalen Keule betäuben. ****

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