WirtschaftsBlatt über den Widerstand gegen die EU (von Günter Fritz)

Ausgabe vom 26.2.2000

Wien (OTS) - Der Klubobmann der burgenländischen FPÖ, Wolfgang Rauter, hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet: Er wolle "wegen des unzumutbaren Verhaltens der EU gegenüber Österreich" ein Volksbegehren samt anschliessender Volksabstimmung initiieren, um einen Austritt aus der Union zu ermöglichen. Das ist schlichtweg ein Skandal - und zwar in mehrfacher Hinsicht: Erstens reicht es schon, dass Jörg Haider laufend ins verbale Fettnäpfchen tritt und damit internationale Massnahmen gegen Österreich als Kettenreaktion geradezu herausfordert. Zweitens unterminiert Rauter damit als Mitglied einer Koalitionspartei die Linie der neuen Bundesregierung, die ein eindeutiges Bekenntnis zu Europa abgelegt hat. Drittens giesst er Öl ins Feuer, sorgt dafür, dass sich die ideologischen Gräben vertiefen und sich Österreich noch weiter von einer Konsenspolitik entfernt. Rauters Aussage ist ausserdem noch peinlich:
Denn gerade das Burgenland hat als Ziel 1-Gebiet bisher vom EU-Beitritt besonders profitiert und wird in den nächsten Jahren aus Brüssel weitere 3,5 Milliarden Schilling bekommen. Rauter handelt mit seiner Aussage somit nicht nur gegen die Interessen Österreichs, sondern auch gegen die des Burgenlands im Speziellen. Gerade in wirtschaftlich schwachen Regionen ist ohne EU-Gelder nicht viel Staat zu machen. Als langgedienter Politfunktionär sollte Rauter wissen, wie sehr Österreichs Unternehmen international vernetzt sind und welche negativen Folgen eine ökonomische Abnabelung von Europa hätte. Überdies müsste sich Österreich aus dem Euro zurückziehen - obwohl im Vorfeld seiner Einführung schon Unsummen investiert wurden. Rauter, der zu allem Überdruss eine höchst umstrittene Solidaritätsabgabe zur Budgetsanierung vorgeschlagen hat, sollte als verantwortungsvoller Politiker entsprechende Konsequenzen ziehen. Dass laut einer OGM-Umfrage immer noch 59 Prozent der Österreicher für einen EU-Beitritt stimmen würden, darf indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Skepsis gegenüber der Union wächst. Immerhin sind die meisten Österreicher gefestigte Demokraten, denen die EU-Sanktionen als überzogen und ungerecht erscheinen. Die Konsequenz kann daher nur lauten: Österreich muss in der EU trotz aller Angriffe künftig selbstkritisch, aber selbstbewusst auftreten - austreten sollen wir nicht...

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Tel.: (01) 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS