Dirnberger: Fachärzteversorgung durch ASVG-Gesetzesänderung

Sparpotentiale bei Medikamenten ausschöpfen statt Patienten belasten

Wien (OTS) - Die Fachärzteversorgung, Selbstmedikation, Selbstbehalte sowie Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem waren heute Themen beim ÖAAB-Pressegespräch von AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger. Um die von der Bundesregierung geforderte Gesundheitsvorsorge auszubauen und um eine Entsolidarisierung und damit Zwei-Klassen-Gesellschaft im Gesundheitssystem zu vermeiden, schlägt Dirnberger vor:

Es muss mehr niedergelassene Fachärzte mit Kassenverträgen geben. Es gibt nicht zu viele Medizinstudenten und Anwärter auf Turnusplätze, sondern zuwenig Ärzte für die Bevölkerung. Die Funktionäre der Ärztekammern versuchen ihren Kollegen, die schon Kassenverträge haben, unliebsame nachdrängende junge Konkurrenz vom Hals zu halten. Das geht soweit, dass die Krankenkassen nach dem ASVG nur jenen Ärzten einen Kassenvertrag geben dürfen, die von der Ärztekammer vorgeschlagen werden. Das führt z.B. in Niederösterreich zu einem Punktesystem, in dem Kind eines Arztes zu sein mehr Anspruch auf einen Kassenvertrag bringt, als die Ausbildung zum Notfallmediziner.

Vorschlagsrecht der Ärztekammer für Kassenverträge muss aus ASVG gestrichen werden

"Das ist blanker Nepotismus, der sich natürlich nicht auf Niederösterreich alleine beschränkt. Mir sind ähnliche Fälle bekannt, wo innerhalb einer Ärztefamilie die Planung für die Weitergabe von Schularztstelle, Kassenvertragsstelle für eine Praktikerin und Einrichtung einer Kassenstelle für einen Internisten läuft", kritisiert Dirnberger. Daher muss das Vorschlagsrecht der Ärztekammer für Kassenverträge aus dem ASVG gestrichen werden. Wer den Krankenkassen die Selbstverwaltung und Selbstbestimmung neuerdings ständig vor Augen hält, muss derartige Fesseln abschaffen. Daher fordere ich die neue Bundesregierung und den Nationalrat auf, diesem Nepotismus ein Ende zu setzen und den § 343 zu streichen. Die Ärztekammern selbst haben sich bisher reformunwillig gezeigt.

Einsparungen nur bei Medikamenten und Ärzten möglich -Krankenkassen sollen Patienten Kostentransparenz zur Verfügung stellen

Die Krankenkassen können nur soviel ausgeben, wie sie einnehmen. Sie können nicht die Medizin des Jahres 2000 mit den finanziellen Mitteln von früher finanzieren. Schließlich, so Dirnberger, gehen die Defizite der Krankenkassen nicht auf Vergeudung zurück, sondern auf den Fortschritt in der Medizin. Laufende Optimierungen in der Verwaltung seien ständig, wie in jedem Unternehmen, notwendig, aber einen Abbau des Defizites über Einsparungen bei den Ausgaben der Krankenkassen für die Verwaltung zu fordern, ist ein völliges Vorbeireden an den Problemen. Denn alle Krankenversicherungen geben im Jahr 2000 zusammen etwa 4,5 Milliarden Schilling für ihre Verwaltung aus, aber das Defizit wird schon 5 Milliarden betragen. Einsparungen sind nur bei den großen Brocken möglich. Das sind mit über 20 Milliarden die Ausgaben für Medikamente und mit 40 Milliarden die Ausgaben für die Ärzte. "Die sozialen Krankenversicherungen sind gerade bei ihrer Verwaltung - dafür werden z.B. bei der NÖ-GKK nur 3,6% der Einnahmen verwendet - besonders sparsam. Wichtig sei vor allem, dass die Krankenkassen rasch beginnen, den Patienten jedes Quartal eine Abrechnung der Leistungen zur Verfügung zu stellen. Damit wird für die Patienten Kostentransparenz und Kosten bewusstsein geschaffen.

Als Unsinn bezeichnet Dirnberger auch die Behauptung, die Lohnnebenkosten würden den Wirtschaftsstandort Österreich gefährden. "Zu hohe Lohnnebenkosten" werde seit einem Jahrzehnt gebetsmühlenartig gerade von jenen runtergeleiert, die genau wissen, dass das entscheidende Kriterium für die Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft die Lohnstückkosten sind. Dabei hat die österreichische Wirtschaft im Vergleich mit seinen wichtigsten Handelspartnern eine hervorragende Position. Die Produktivität sei hervorragend gestiegen, nach Angaben des WIFO hat Österreich unter den entwickelten Industrieländern die höchste Steigerung gemessen an der Leistung je Beschäftigten pro Stunde erzielt. Eine Umschichtung von überschüssigen Beiträgen hin zur Krankenversicherung sei in der gegenwärtigen Situation der richtige Weg, fordert Dirnberger Sofortmaßnahmen.

Zur Sanierung der Krankenkassen schlägt Dirnberger vor:

1. Ausbau der Selbstmedikation auf europäisches Niveau: Nach einer Studie von Univ.-Prof. Dr. Engelbert Theurl vom Finanzwissenschaftlichen Institut der Universität Innsbruck ergeben sich jährlich Milliardeneinsparungen für die sozialen Krankenversicherungen. Dieses Einsparungspotential ergibt sich aus der möglichen Entlassung zusätzlicher Medikamente in die Rezeptfreiheit, den eingesparten Kosten von Arztbesuchen, da der Patient zum Bezug des Medikamentes keine ärztliche Verschreibung mehr braucht und einer damit auch wesentlich verringerten Abwesenheit vom Arbeitsplatz.

2. Einsparung bei Medikamenten durch Senkung der Fabrikspreise. Erst jüngst hat der Pharmakonzern Novartis international über eine Gewinnsteigerung für 1999 von 11 % gejubelt, in Österreich beträgt die Steigerung 7,1%. Wenn man dem nun die 12% Steigerung der Ausgaben der Krankenkassen für Medikamente im vergangenen Jahr gegenüber stellt, so ist diese Parallelität kein Zufall. Es wird auch auf gesamteuropäischer Ebene zu diskutieren sein, wie weit man sich von den Pharmakonzernen in Geiselhaft nehmen lässt. Das Argument "wir können nur neue Arzneimittel entwickeln, wenn wir hohe Preise für bereits eingeführte verlangen", gilt es zu beweisen. Auch wirken auf Grund der immer häufigeren Zusammenschlüsse von Pharmakonzernen marktwirtschaftliche Mechanismen nicht. "

3. Verschreibungsverhalten der Ärzte: Es müssten von den Ärzten nicht immer die neuesten und teuersten Medikamente verschrieben werden, wenn es kostengünstigere, gleich wirksame Medikamente gibt. Zur Zeit übernehmen die Pharmareferenten der Konzerne die Fortbildung der Ärzte auf dem Gebiet der Medikamente. Das hat natürlich zur Folge, dass oftmals jenes Medikament verschrieben wird, das am besten von einem Pharmareferenten beworben wurde. Dirnberger tritt daher für eine objektive Informationen der Ärzte am Gebiet der Medikamente ein. Diese Fortbildungen sollen von Ärztekammern und Universitäten als Stätten der Forschung gemeinsam veranstaltet werden. Darüber hinaus verlangt Dirnberger die Entwicklung und den verstärkten Einsatz von EDV-Programmen in den Ordinationen, mit denen die Ärzte schnell das jeweils günstigste Medikament einer Wirkstoffgruppe herausfinden und verschreiben kann.

4. Die Krankenkassen sollen die Patienten über die erbrachten Leistungen jedes Quartal informieren, um so Kostenbewusstsein und Kontrolle zu schaffen.

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