Das WirtschaftsBlatt - Kommentar "Die Hausmasta vom Hause Österreich" (von Jens Tschebull)

Ausgabe vom 25.2.2000

Wien (OTS) - Das blau-schwarze Programm sieht die Beseitigung des Hausbesorgergesetzes vor. Endlich! Auch in der wirtschaftspolitischen Ideensammlung der Sozialdemokraten befindet sich die "Neufassung des Hausbesorgergesetzes". Offenbar ein gewichtiges Anliegen in diesem Lande. Bei den Roten geht es u.a. um die "fiktiven Hausbesorgerkosten", die ein Hausherr an die Mieter verrechnen darf und sich dabei ein Körberlgeld machen kann, wenn er den Hausmeister hinauswirft und die Arbeit selbst macht oder einen Reinigungsdienst damit beauftragt. Das ganze Gesetz ist ein idealer Kandidat für die Rodung des Paragraphendschungels: Es könnte mit einer mehrjährigen Ausschleiffrist ersatzlos gestrichen werden. Aber es fällt österreichischen Untertanen gar nicht mehr besonders unangenehm auf, wenn es für die Gestaltung der doch recht einfachen Rechtsbeziehung zwischen Hauseigentümern und Hausbesorgern eines 31 Paragrafen langen Bundesgesetzes nebst Durchführungsverordnungen der neun Landeshauptleute bedarf. Das Hausbesorgergesetz ist eine Weiterentwicklung der kaiserlichen "Gesindeordnung". Und so kommt es, dass sich in einer Zeit des "Facility-Managements" und der Schneefräsen der Oberste Gerichtshof im Bedarfsfall mit der Frage des "Sperrsechserls" vor bzw. nach Mitternacht (40 bzw. 50 Schilling) beschäftigen muss. Im Hausbesorgergesetz manifestiert sich die krankhafte Reglementiersucht der Politik, aber auch der vorsichtige Respekt gegenüber einem traditionsreichen, wenn auch aussterbenden Berufsstand; eine Überbewertung, die vielleicht aus einer unbewussten Erinnerung an die wichtigen Nebenrollen von Hausmeistern in vergangenen Zeiten stammt: Als Informanten von Maria Theresias Sittenpolizei, als Konfidenten Metternich'scher Spitzel, als Erfüllungsgehilfen von NS-Blockwarten und insbesondere als Parteikassiere in den Gemeindebauten des Roten Wien - so etwas verleiht Gewicht. Helmut Qualtinger sang auf die Frage "Wer regiert in Österreich?": die Hausmasta vom Hause Österreich " Das ersatzlose Ausklingen der legistischen Kuriosität eines eigenen Hausbesorgergesetzes wäre auch ein symbolischer Schritt, der den Blick auf eine Zukunft mit weniger Gesetzen freimacht.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Tel.: (01) 91919-316

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS