Stein- und keramische Industrie nur gedämpft optimistisch

Trotz Aufholjagd im 2. Halbjahr: Aufschwung bitte warten! Probleme beim Vollzug des MinRoG verzerren den Wettbewerb

Wien(PWK) 1999 erzielte die Stein- und keramische Industrie einen Umsatz von 41 Milliarden Schilling. Im Vergleich zum Jahr davor entspricht dies einem leichten Minus von 0,14 %. Obwohl sich für Teile der Branche seit dem zweiten Halbjahr eine Erholung abzeichnet, konnten vor allem die bauabhängigen Unternehmen aus dem allgemeinen Wirtschaftswachstum von 2,2 % nur wenig Kapital schlagen. Insgesamt blieb die Stein- und keramische Industrie auch hinter der Bauwirtschaft zurück, die zuletzt ein Plus von 1 % erreichte. Nach einem kräftigen Umsatzrückgang von 3,5 % im ersten Halbjahr, konnte dank der guten Auftragslage im zweiten Halbjahr das Ergebnis von 1998 annähernd gehalten werden. Die Zahl der Beschäftigten ging bis Jahresmitte um 2,7 % auf 16.800 zurück, blieb jedoch nach der Trendumkehr im Sommer erstmals seit fünf Jahren konstant. Trotz der gelungenen Aufholjagd zeigte sich der Vorsteher des Fachverbandes Stein & Keramik, Leopold Helbich, anlässlich einer Pressekonferenz in Wien nur mäßig optimistisch.

Bei den Bauzulieferern, die immerhin 84 % des Umsatzes repräsentieren, dämpft vor allem der anhaltend rückläufige Wohnbau die Erwartungen. Nach 1998 mit -6 %, schrumpfte das Rohbauvolumen im Wohnbau 1999 um weitere 5,5 %.

Seit 1995 sackte der Produktionswert in diesem Segment von 55,3 Milliarden um mehr als ein Fünftel auf zuletzt 43 Milliarden Schilling ab. Die gute Entwicklung im sonstigen Hochbau, mit jeweils +3,5 % in den letzten zwei Jahren, konnte die Einbußen im Wohnbereich nur geringfügig wettmachen. Für heuer sagt Helbich ein weiteres Minus von 4,5 % für den Wohnbau und ein abgeschwächtes Wachstum von 1 % für den Nichtwohnbau voraus. Dazu kommt der verschärfte Wettbewerb mit alternativen Baustoffen. Die Hochtechnologie am Bau verstärkt außerdem den Trend zu geringeren Wandstärken, was zusehends eine Reduktion des Baustoffbedarfes mit sich bringt.

Vergleichsweise gute Ergebnisse erzielten im Vorjahr die Schleifmittelhersteller mit +5 % sowie die Zement- und die Natursteinindustrie mit +4,4 % bzw. + 4,3 %. Demgegenüber mussten die Feuerfestindustrie mit -11,3 % und die Ziegelindustrie mit -10 % die stärksten Rückgänge hinnehmen. Das Außenhandelsdefizit ging um 17,6 % auf 1,2 Milliarden Schilling zurück. Einfuhren im Wert von 7,2 Milliarden standen Ausfuhren von 6 Milliarden Schilling gegenüber. Feinkeramische Produkte, vor allem Fliesen, für 1,7 Milliarden Schilling standen auf der Exportliste ganz oben.

Erhard Schaschl, Vize-Vorsteher des Fachverbandes und Generaldirektor der Wienerberger, begrüßt die Pläne der neuen Bundesregierung zur Senkung der Lohnnebenkosten ebenso wie den Verzicht auf eine weitere Diskussion um die Wohnbauförderung. Mit besonderem Interesse erwarte die Baustoffindustrie, so Schaschl, die Ergebnisse der Verhandlungen um den nächsten Finanzausgleich. Den Vorschlag des Wifo, sozial Schwächere bei der Zuteilung der Fördermittel künftig stärker zu berücksichtigen, hält Schaschl für sinnvoll.

Die Forderung von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein zur raschen und vollständigen Liberalisierung des Strommarktes findet in der Stein- und keramischen Industrie einhellige Zustimmung. Gleichzeitig spricht sich die Fachverbandsführung für eine Aufhebung des Bündelungsverbotes für kleinere und mittlere Betriebe aus. Dadurch sollen nach Absenkung des Schwellenwertes von derzeit 20 Gigawatt auf 9 Gigawatt ab 2003 auch Unternehmen mit geringerem Strombedarf in den Genuss der Preissenkung gelangen.

Die anhaltenden Probleme beim Vollzug des Mineralrohstoffgesetzes rufen die Stein- und keramische Industrie verstärkt auf den Plan. Der Geschäftsführer des Fachverbandes, Carl Hennrich, spricht von inakzeptablen Zuständen, nachdem durch die großen Vollzugsprobleme die Genehmigung neuer Abbau-Vorhaben derzeit nicht stattfindet. Als Grund ortet Hennrich praxisfremde Regelungen und die Überlastung der Behörden. Beides hat eine vielfach unabsehbare Ausdehnung der Genehmigungsverfahren mit entsprechenden wirtschaftlichen Nachteilen vor allem für kleine und mittlere Betriebe der Schotterindustrie zur Folge. Ungeachtet der Betriebsgröße werden den Antragstellern aufwendige Sachverständigengutachten und die Erfüllung hoher Sicherheitsanforderungen abverlangt. Der Wust an Bürokratie hat mittlerweile wettbewerbsverzerrende Dimensionen angenommen, nachdem Betriebe mit beschränkten personellen und finanziellen Möglichkeiten gegenüber kapitalstarken Unternehmen erheblich benachteiligt sind. (MH)

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