"Neues Volksblatt" Kommentar: "Schonfrist" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 23. Februar 2000

Linz (OTS) - Das Spiel wird sich noch oft wiederholen, drum sollte man es einmal deutlich aufzeigen.

Die SPÖ hat der neuen Bundesregierung jegliche Schonfrist versagt. Das ist nicht besonders fair, aber das gute Recht einer frischgebackenen Opposition. Das Spiel wird dort unappetitlich, wo der neuen Regierung Versäumnisse früherer SPÖ-Minister an den Kopf geworfen werden. Jüngstes Beispiel: Auch unter einem Finanzminister Edlinger war längst klar, dass die Anonymität von Sparkonten international nicht zu halten ist. Der Vorwurf der Geldwäscherei kann auf Dauer durch Beteuerungen allein nicht widerlegt werden. Der Neue im Finanzministerium, Karl-Heinz Grasser, geht endlich ans Werk und kündigt die Abschaffung der Anonymität bei gleichzeitiger Verschärfung des Bankgeheimnisses an. Prompt muss er sich vom neuen SPÖ-Star Alfred Gusenbauer sagen lassen, er setze das Vertrauen hunderttausender Sparer durch seine "zögerliche Haltung" aufs Spiel. Das mag dem besonderen Verständnis von Gugerbauers Totalopposition entsprechen. In der Sprache der Fußballer nennt man das Eigentor. Ein künftiger SPÖ-Vorsitzender sollte seine Glaubwürdigkeit nicht so billig aufs Spiel setzen. Oder rechnet er mit einer Schonfrist, die er dem politischen Gegner verwehrt?

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