WirtschaftsBlatt über den Finanzminister. Der mediale Grasser-Blues (von Peter Muzik)

Ausgabe vom 23.2.2000

Wien (OTS) - Die Journalisten tun sich bei der Beurteilung des
neuen Finanzministers noch äusserst schwer, auf einen halbwegs gemeinsamen Nenner zu kommen: Karl-Heinz Grasser wird derzeit von allen Seiten mit medialen Werturteilen extremster Art bombardiert. Zwei Beispiele: "Format" feiert den "blassen Workaholic" geradezu gnadenlos als "Musterschüler", "Strahlemann der FPÖ" und "Megaperle der Innenpolitik". Er bringe, wird das Magazin beinahe literarisch, "Glanz ins Braungrau der FPÖ" und sei "für jeden Waschgang und jede Temperatur verwendbar" - man beachte die Brillanz dieser grandiosen Metapher. Der Aufsteiger, der - wie weiters zu erfahren ist - erst vor wenigen Jahren ausgerechnet von Kurt Krenn gefirmt wurde, möchte in der Politik "Furore machen". Als Beleg wird immerhin ein weltbewegendes Grasser-Zitat angeführt, nämlich: "Jetzt besteht die einmalige Chance, in Österreich neue Ideen umzusetzen". "profil" hingegen stutzt den "Kärntner Yuppie-Minister" ordentlich zusammen:
Er sei lediglich "dritte Wahl" gewesen, ein "Champion in der Disziplin Fettnapf-Sprung mit Anlauf" geworden und besetze nunmehr "einen Spitzenplatz in der Fauxpas-Hitparade". Das Montag-Magazin attestiert den Auftritten des "fachlich unbeleckten Minister-Lehrlings" obendrein "kabarettistische Qualität" und rundet damit die journalistische Hinrichtung des "Regierungs-Benjamin" elegant ab. Superstar oder Versager - das ist also die Frage. Eine Frage, auf die es vorerst noch keine Antwort gibt. Denn vom neuen Finanzminister weiss man inzwischen lediglich, dass er ein sympathischer, wohl erzogener, cleverer, aber etwas nervöser Yuppie aus dem blauen Stall ist. Er hat zunächst in eigener Sache geschickt um mehr Nettogage gekämpft, weshalb ihn manche als gierigen Privilegien-Ritter sehen; bei der Suche nach dem Budgetloch warf er dann relativ rasch die Nerven weg, was als völlig unnötige Panikmache interpretiert wurde. Das ist praktisch alles, was von ihm zu sehen war. Ob es Karl-Heinz Grasser letztlich so ähnlich wie Andreas Staribacher ergehen wird, der dem Job in der Himmelpfortgasse nicht wirklich gewachsen war, oder ob ihm eine steile Karriere bevorsteht wie dem einstigen SP-Jungstar Hannes Androsch, wird man schon bald wissen. Dann, wenn er wirklich etwas geleistet hat...

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