Gründler-Appell: Selbstbehalte ohne Polemik diskutieren

Arbeitgeber gegen simple Erhöhung von Beiträgen und damit Lohnnebenkosten - alle Einsparungspotentiale durchforsten

Wien(PWK) "Wer versucht, die Einführung von sozial vertretbaren Selbstbehalten für Arzt- und Ambulanzbesuche von vornherein zu verhindern oder mit populistischen - aber falschen - Killerargumenten wie "Krankensteuer" zu bekämpfen, handelt unverantwortlich. Für eine solche Vorgangsweise ist die finanzielle Lage der Krankenkassen viel zu heikel." Manfred Gründler, Vizepräsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger und stellvertretender Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, appelliert an alle, die "Frage eines Selbstbehalts fair zu diskutieren und nicht bloß reflexartig nach höheren Krankenversicherungsbeiträgen zu schreien. Denn eine Beitragserhöhung, die von der Wirtschaft abgelehnt wird, löst in der Ausgabenstruktur der Krankenkassen nicht ein einziges Problem, sondern macht bloß die Arbeit teurer und bedroht daher Arbeitsplätze."

In diesem Zusammenhang begrüßt der Vizepräsident des Hauptverbandes die ablehnende Haltung von GPA-Vorsitzenden Sallmutter zur Aufhebung der Höchstbeitragsgrundlage in der Krankenversicherung, merkt aber kritisch an: "Anstatt nun aber einen Zuschlag von 5 Prozentpunkten zur KEST zu fordern, sollte sich Sallmutter besser vernünftige Einsparungsvorschläge überlegen, wie das Defizit der Krankenkassen beseitigt werden kann."

Das Argument von Gewerkschaftern, politischen Vertretern von SPÖ und Grünen, Selbstbehalte bedeuteten Zutrittsbarrieren zum Arztbesuch, hält Gründler für unberechtigt: "Selbstbehalte gibt es seit Jahrzehnten bei Eisenbahnern, Beamten und Selbständigen. Da habe ich von Gewerkschaftsseite noch nie gehört, dass diese Berufsgruppen im Sinn einer Zwei-Klassen-Gesundheitspolitik medizinisch unterversorgt sind oder dass das ungerecht ist. Ein Selbstbehalt führt aber jedenfalls zu höherer Transparenz bei den Gesundheitskosten und damit zu größerer Effizienz und Kontrolle. Dagegen kann doch niemand sein."

Zur weiteren Vorgangsweise meint der Vizepräsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger: "Mit Polemik kommen wir nicht weiter. Ebensowenig mit undifferenzierten Rufen nach höheren Einnahmen, egal woher sie kommen oder ob sie die Wirtschaft belasten. Wir müssen das hervorragende Gesundheitssystem Österreichs sichern und dessen Finanzierung auf gesunde Beine stellen. Mir geht es darum, dass jetzt einmal alle Einsparungsmöglichkeiten bei den Versicherungsträgern selbst ausgereizt werden. Dann werden wir sozial verträgliche Einsparmöglichkeiten im Leistungsrecht ebenso überprüfen müssen wie das Ausmaß der Selbstmedikation, der Rezeptgebühr oder die Packungsgrößen von verschriebenen Medikamenten. Hier landen nach wie vor zu viele Tabletten, die von den Kassen bezahlt werden, am Müll. Dazu kommen mittelfristig Rationalisierungseffekte bei den Krankenkassen durch die Einführung der Chipkarte. Sollte das alles nicht ausreichen, dann stehen faire Selbstbehalte bei Arzt- oder Ambulanzbesuchen für alle Berufsgruppen auf der Tagesordnung. Eine simple Beitragserhöhung, egal in welcher Form, ist ein Uraltreflex und der falsche Weg." (RH)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Presseabteilung
Tel.: (01) 50105-4462
e-mail: presse@wkoe.wk.or.at

Wirtschaftskammer Österreich

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK