"Tiroler Tageszeitung". Kommentar: "Biss des Jaguars" (von Stefan Kappacher)¶

Ausgabe vom 22. 2. 2000¶

Innsbruck (OTS) - Bundeskanzler Schüssel geht für seinen Bündnispartner Haider durchs Feuer. Unermüdlich versichert er Medien aus aller Welt, dass der FPÖ-Obmann gelobt habe, sich und seine Politik zu ändern. Weil es aber offenbar keiner hören will, ist Schüssel noch einen Schritt weiter gegangen: Gegenüber der französischen Tageszeitung Le Figaro hat er - quasi Vollzugsmeldung - Haider als seriösen und verantwortungsbewussten Politiker bezeichnet. Für die Opposition ein gefundenes Fressen - SPÖ und Grüne orten eine beginnende "Verhaiderung" Schüssels und der ÖVP.

Was von freiheitlichem Verantwortungsbewusstsein zu halten ist, demonstriert die blaue Ministerriege momentan recht anschaulich. Da ist einmal die 60.000-S-Grenze für Einkommen aus öffentlichen Funktionen, die in den kargen Oppositionsjahren gralsartig h och gehalten wurde. Kaum kommen sie ins Verdienen, sind den Blauen ein paar Blaue mehr auch recht.

Ein ganz spezieller Fall ist allerdings der freiheitliche Justizminister Michael Krüger, der seinen Amtsantritt mit einer Zivilklage gegen die kleine Wiener Stadtzeitung Falter beging. Diese hatte korrekt berichtet, dass Krüger sich nach seiner Erne nnung zum Minister - wenn auch nur kurzfristig - eines Mitarbeiters bediente, der Kontakt zum Neonazi Küssel gehabt hatte. Jetzt legte Krüger neuerlich dar, wes Geistes Kind er ist: Er will ernsthaft einen Jaguar als Dienstwagen, weil ihm der BMW seines Vorgängers zuwenig schick ist. Fein, dass Krüger die Differenz aus eigener Tasche bezahlen will. Dass er die Regierungspolitik als Spielwiese zum Ausleben seiner Allüren sieht, sollte freilich Anlass zu ernster Sorge sein.

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