Rückkehr zum Gleichgewicht Warum diese Grossdemo so wichtig war Von Alexia Wernegger

Von Alexia Wernegger
Das andere Österreich ist aufgestanden und hat ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt: ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, gegen die Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen. Ob es nun wie von der Polizei angegeben 150.000 waren oder doch 300.000 Menschen, die auf den Wiener Heldenplatz strömten, das spielt dabei eigentlich keine Rolle. Wichtig ist die öffentliche Präsenz dieses anderen Österreichs. Der Aufschrei, der seitens dieses anderen Österreichs an diesem 19. Februar erfolgt ist, er ist dazu geeignet, die Dinge wieder etwas mehr ins richtige Licht zu rücken.

All jenen, die sich selbst seit Tagen auf die Straße bemühen, aber auch den Menschen, die im stillen Kämmerlein mit den Anliegen der Regierungsgegner sympathisieren, hat diese Großkundgebung das Gefühl gegeben, nicht alleine zu sein. Nicht alleine zu sein mit ihren Ängsten und Sorgen, nicht ohnmächtig und hilflos dem entgegensehen zu müssen, was da auf das Land zukommt Ð ein Boykott durch das Ausland, der auch wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen kann. Es gibt Gleichgesinnte, war die hoffnungsfrohe Botschaft, und auch sie sind zahlenmäßig nicht zu unterschätzen. Das relativiert ein wenig das Verhältnis der Mehr- zur Minderheit, oder besser der Minder- zur Mehrheit. Denn es haben nun einmal nicht die Hälfte oder zwei Drittel der Österreicher am 3. Oktober die Freiheitlichen gewählt, sondern es waren exakt 26,9 Prozent. Und so manchem jener ebenfalls 26,9 Prozent, die sich für die Volkspartei entschieden haben, mag ihre Entscheidung angesichts dieser Koalition ohnehin schon sauer aufgestossen sein. Sicher, diese Partnerschaft einzugehen, ist ein legitimes Vorgehen der beiden Parteien. Damit aber davon auszugehen, dass die gesamte Bevölkerung hinter dieser Regierung stehen muss, wäre fehlgeleitet.

Diese Botschaft, sie ist nun hoffentlich auch im Ausland angekommen. Niemand, der die Bilder dieser Großkundgebung gesehen hat, kann den Österreichern weiter die ihnen gelegentlich zugeschriebene ãpolitische WurschtigkeitÒ unterstellen. Wenn manche Aufnahmen von maskierten Autonomen vielleicht das Bild auch etwas schief erscheinen lassen mögen, so wurde doch ersichtlich, dass die überwiegende Mehrheit dieser Demonstranten friedlich ihren Unmut über die derzeitige Regierung geäußert hat. Friedlich, aber mit Nachdruck. Vielleicht setzt nun auch im Ausland ein Nachdenkprozess darüber ein, die Dinge etwas differenzierter zu sehen. Zu unterscheiden zwischen Regierungsverantwortlichen und jenen, die einem anderen Lager zuzurechnen sind. Einem Lager, das sich daran stösst, dass eine Partei, deren Chef immer wieder durch fremdenfeindliche Sprüche aufhorchen ließ, nun mit das Sagen hat. Diese Differenzierung sollte dazu führen, auch die Boykottmaßnahmen nochmals zu überdenken. Diese Regierung zu boykottieren, ist eines. Ein Land mitsamt seine ohnehin unter den aktuellen politischen Umständen leidenden Intellektuellen, Künstlern, Wissenschaftern zu boykottieren, zerstört dagegen auch die Zukunft dieses anderen Österreichs.

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