"profil": Schaumayer: "Sicher nicht als Feigenblatt"

Entschädigungsbeauftragte Schaumayer will Einbindung von Gemeinden prüfen - keine Entschädigung für Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft - Bundesbeitrag muss noch verhandelt werden

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in
seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet,
beschränkt sich das Vorhaben der österreichischen
Bundesregierung zur Entschädigung von NS-
Zwangsarbeitern auf Industrieunternehmen. Mit dem
zahlenmäßig großen Bereich Zwangsarbeit in der
Landwirtschaft wird sich die Regierungs-Beauftragte und Ex-Nationalbank-Präsidentin Maria Schaumayer nicht
befassen.

Schaumayer im "profil"-Interview: "Der Auftrag lautet, Zwangsarbeiter in der Industrie zu entschädigen." Die Regierungsbeauftragte hält diese Eingrenzung ihrer
Aufgabe für vertretbar. Schaumayer: "Grundsätzlich
glaube ich, dass Zwangsarbeit in der Landwirtschaft nicht
in den strengen kriegswirtschaftlichen Rüstungsbegriff
der Zwangsarbeit fällt."

Probleme der Rechtsnachfolge, wie sie sich in vielen
Unternehmen mehr als 50 Jahre nach Kriegsende stellen,
will die Regierungsbeauftragte erwägen, aber nicht als
alleiniges Entscheidungskriterium heranziehen.
Schaumayer: "Man darf sich nicht zu stur auf juridische
Fragen stellen."

Die Höhe des finanziellen Beitrags der Bundesregierung
zur Entschädigung früherer Zwangsarbeiter steht, wie die Ex-Nationalbank-Präsidentin betont, derzeit noch nicht
einmal größenordnungsmäßig fest. Schaumayer: "Ich
muss auch um den Bundesanteil verhandeln."

Die Regierungsbeauftragte hält es nicht für
ausgeschlossen, auch an Gemeinden wegen finanzieller
Beiträge zu den Entschädigungszahlungen heranzutreten.
Schaumayer: "Wir werden prüfen, ob auch
Gebietskörperschaften in den Kreis derer einzubinden
sind, die sich beteiligen."

"profil" sprach Schaumayer auch darauf an, dass
Bundeskanzler Schüssel bei ihrer Präsentation eigens das
positive internationale Echo auf die Zwangsarbeiter-
Entschädigung betonte, das das ansonsten international
heftig kritisierte Kabinett bekommen habe. Schaumayer:
"Wer mich kennt, weiß, dass ich mich für vieles eigne,
aber sicher nicht als Feigenblatt."

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