"Neues Volksblatt" Kommentar: "Gusenbauer" (von Walter Salzmann)

Ausgabe vom 18. 2. 2000

Linz (OTS) - Wer hätte das noch vor wenigen Tagen gedacht: Der frühere militante Juso-Führer, Moskau-Freund, SI-Funktionär, Abgeordnete und Landesgeschäftsführer der nö. SPÖ, Alfred Gusenbauer, soll Parteivorsitzender der SPÖ werden!

Nicht Schlögl oder Einem, nicht Edlinger oder Ederer sollen die Partei übernehmen, sondern ein Klassenkämpfer alt-sozialistischer Prägung. Ob die SPÖ die Weichen richtig gestellt hat, wird sich weisen. Alfred Gusenbauer ist zunächst nur ein Signal in Richtung links. Als ein nicht nur für die breite Öffentlichkeit noch unbekanntes Polit-Wesen hat Gusenbauer zunächst um Akzeptanz in der eigenen Partei zu werben. Das massive Eintreten starker Landesorganisationen für einen Verbleib Klimas lässt (trotz Einstimmigkeit im Präsidium) erkennen, dass Gusenbauer nicht der Wunschkandidat aller war und ist. Daneben wird es dem Klima-Erben gelingen müssen, verloren gegangene Wähler zurück- und neue Wähler dazuzugewinnen. In Zeiten einer mobilen Wählerschaft, die immer weniger von Ideologie, dafür aber immer mehr von Optik und umfassend guter Politik hält: das wohl schwierigste Unterfangen für einen Alt-Sozialisten.

Gusenbauer zu unterschätzen, wäre ein Fehler; In ihm einen neuen Kreisky zu sehen, hingegen eine Übertreibung.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt
Chefredaktion
Tel. 0732/7606 DW 782

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVL/OTS