"Neue Zeit" Kommentar: "Der Neue" (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 18. 2. 2000

Graz (OTS) - Vor vier Wochen hätte es keiner geglaubt, wahrscheinlich auch er selber nicht, dass er Kandidat für der Bundesvorsitzenden der SPÖ wird: Alfred Gusenbauer. Das SPÖ-Präsidium hat nach der schweren Niederlage vom 3. Oktober zumindest in einer wichtigen Frage Einigkeit gefunden. Wer an der Spitze der Sozialdemokratie Österreichs stehen soll, das wurde einstimmig beschlossen. Der SPÖ-Parteitag, der den Vorsitzenden wählt, wird sicher mit großer Mehrheit zustimmen.

Alfred Gusenbauer unterscheidet sich von all seinen sechs Vorgängern in der Zweiten Republik in mehrfacher Hinsicht. Beispielsweise hatte die SPÖ noch nie einen Vorsitzenden, der vorher Zentralsekretär oder Bundesgeschäftsführer gewesen wäre. Gusenbauer ist auch der erste, der noch nie einer Regierung angehört hat. Und Gusenbauer ist der jüngste SPÖ-Vorsitzende, den es je gab. Das alles, könnte man meinen, wird ihm sein politisches Leben nicht gerade leichter machen. Andererseits ist das auch eine große Chance für ihn und die SPÖ. Da er in seiner Partei keine deklarierten Gegner hat, wird es ihm leichter sein als anderen, die genannt wurden, die SPÖ zusammenzuhalten, wenn nötig, auch zu einigen.

Gusenbauers Gegner von außen, besonders aus den jetzigen Regierungsparteien, werden es hingegen mit ihm nicht so leicht haben. Aus seiner Vergangenheit können sie ihm nichts Ernsthaftes vorhalten. Höchstens, dass ihnen der Neue zu "links" ist. Und das könnte in kommenden Zeiten für ihn und seine Partei recht nützlich sein.

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