Korrektur zur Ausgabe News 7/00 - Seite 58 - "Meinung" von Herrn Dr. Helmut Zilk

Wien (OTS) - Irrtümlicherweise wurde die unkorrigierte Version der "Meinung" von Herrn Dr. Helmut Zilk in NEWS veröffentlicht. Anbei die korrekte und vollständig redigierte Fassung. Wir bitten um Kenntnisnahme und Berücksichtigung:

Bei aller Kritik an unserem Land, die berechtigt ist. Bei aller Kritik an einem vorlauten Politiker, der glaubt, im Rausch seines Sieges zu allem etwas sagen zu müssen. Bei aller Kritik, die wir ernst nehmen müssen, halte ich die Zeit für gekommen, dass wir uns wehren. Wir werden die EU-Sanktionen überleben - wir haben auch die Türkenbelagerung überlebt und die Rote Armee -, aber mich stimmt traurig, dass man diesem Land nicht das zubilligt, was die Rechtsprechung jedes demokratischen Landes selbst Raubmördern einräumt: das Recht auf Anhörung. Und wir müssen das Recht haben, klar zu sagen, was an dieser Kritik falsch ist.

Zu sagen, dass Österreich kein Land des Fremdenhasses ist. Ich finde es ja charmant, wenn sich die neue finnische Staatspräsidentin Gedanken um unsere Fremdenfeindlichkeit macht, wir müssen ihr aber antworten dürfen, dass ihr Land ganze 500 bosnische Flüchtlinge - wir aber 80.000 aufgenommen haben. In Österreich hat - im Unterschied zu Deutschland - noch kein Asylantenheim gebrannt, werden keine Ausländer von Skinheads durch die Straßen gehetzt und werden - im Unterschied zu Spanien - keine Menschen mit Eisenstangen verprügelt, weil sie eine andere Hautfarbe haben.

Mir gefällt auch, dass gerade jetzt, da wir in Europa zur öffentlichen Hinrichtung freigegeben werden, die Innenminister von Frankreich und Deutschland über einen Zuwanderungsstopp beraten und eine Fingerprint-Kartei für Asylanten beschlossen. Wäre diese Idee aus Österreich gekommen, würde man sie in ganz Europa das nennen, was es meiner Meinung nach auch ist: faschistoid! Und wir müssen auch vorbringen können, dass Österreich kein Land des Antisemitismus ist. Seit 20 Jahren wurden in Österreich keine Gräber geschändet. In Berlin waren es Dutzende, in Lyon, in Stockholm, in vielen EU-Ländern.

Wir müssen uns wehren gegen diese klägliche Verteufelungskampagne, die unser Land in pauschale Geiselhaft nimmt und die in vielen Ländern offensichtlich aus Angst vor der eigenen Innenpolitik initiiert wurde - wie in Frankreich. Vom sonst nicht so heiklen Herrn Chirac, dessen eigener Wahlkampf von fremdenfeindlichen Verbalismen begleitet war, der Greenpeace-Schiffe versenkt hat, eine A-Bombe vor Mururoa gezündet hat. Und vom Herrn D'Alema, der noch vor kurzem begeistert Hammer und Sichel geschwenkt hat und einem Land vorsteht, in dem Minister regiert haben, die sich als Erben Mussolinis verstanden und die Hand zum faschistischen Gruß erhoben haben.

Bei allem Verständnis für Kritik an unseren Fehlern - das Inland kann nicht vom Ausland korrigiert werden. Wir müssen diese Regierung, die viele von uns nicht gewollt haben, bekämpfen. Aber wir müssen es selbst tun können.

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