DER STANDARD Kommentar: Ungerechte Welt (von Erhard Stackl)

Ausgabe vom 16.2.2000

Wien (OTS) - Groß ist im Lande die Erregung über die ungerechte Behandlung, die uns durch die internationalen Medien widerfährt. So empörte sich etwa ein Presse-Kommentator über die renommierte US-Autorin Susan Sontag, die ihr Wissen über Österreich eingestandenermaßen "aus Medienberichten und von Freunden" bezog und dann "aufgrund solcher "Fakten" aus dritter Hand" den FPÖ-Chef scharf kritisierte. Interessant. Woher haben denn die Damen und Herren Leitartikler ihre Weisheit, ob Clinton nach seinen Sexabenteuern noch tragbar ist, ob man Putin angesichts seiner Tschetschenien-Politik noch trauen soll? Und wie bilden sich in der Bevölkerung Meinungen über den CDU-Skandal, den Nahost-Frieden oder die belgische Regierung heraus? Heutzutage formen - auch bei Diplomaten und Politikern -hochaktuelle, manchmal aber auch unscharfe und fehlerhafte Medienberichte das Bild von der Welt. In Österreich scheinen viele Teilnehmer an öffentlichen Debatten (darunter auch der "Carinthian Governor" Haider) ihr Wissen über andere allerdings bloß aus Boulevardmedien zu beziehen, in denen die Völker der Einfachheit halber in faule, korrupte und in Geschäftemacher eingeteilt werden.

Wer selbst ins Schussfeld der Medien gerät, reagiert so wie
die Österreicher - oder wie davor die Schweizer, die in der Nazigoldaffäre zornig zurückwiesen, ein "Volk von Hehlern" zu sein (obwohl es um das Verhalten einiger Banken ging). Ähnlich müssen sich in den letzten Jahren demokratisch gesinnte Slowaken und Kroaten gefühlt haben, die eine zwielichtige politische Führung über lange Zeit nicht abwählen konnten.

Es ist wahr, die Welt ist ungerecht. Die Medien sind sensationalistisch (wie war das bei Bill Clinton?), sie schießen mit grobem Schrot und oft daneben. Aber der Anlass für ihre Berichte geht von den Zuständen in Ländern aus, von konkreten Personen und deren ganz freiwillig gemachten Aussagen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Der Standard
Tel.: (01) 531 70/0

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST/OTS