"Neue Zeit" Kommentar: "Ihr Kampf" (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 15. 2. 2000

Graz (OTS) - "Warum hören Sie ihm überhaupt zu?", rügte Außenministerin Ferrero-Waldner die Journalisten in Brüssel und meinte Haider, der ja nur Landeshauptmann von Kärnten sei. Abgesehen davon, dass sich Journalisten nicht gern vorschreiben lassen, wem sie zuhören sollen und wem nicht, lassen sich internationale Medienvertreter so nicht übertölpeln: Haider ist vor allem der Vorsitzende der FPÖ. Er und Wolfgang Schüssel haben den Koalitionsvertrag ausgehandelt und unterschrieben. Und Tag für Tag ist Haider der steinerne Gast am Ballhausplatz.

Der Versuch der Außenministerin, die Meinung und Haltung des FPÖ-Führers als unerheblich hinzustellen, ist gegenüber der FPÖ ebenso ungeschickt wie gegenüber der internationalen Öffentlichkeit. Benito Ferrero-Waldner kann man wenigstens glauben, dass hinter dieser Naivität keine böse List steckt. Schwerer fällt einem das bei Alois Mock, der in einer sogenannten Aufklärungsaktion den staunenden Christdemokraten Europas erzählte, die FPÖ wäre schon einmal zusammen mit der SPÖ in der Regierung gesessen. Und warum hat sich da niemand aufgeregt? Alle wissen die Antwort, auch Mock: Weil die FPÖ erst nach der Machtübernahme Haiders wegen extremer Rechtslastigkeit aus der liberalen Internationale ausgeschlossen wurde.

Damals hat eben noch kein FP-Minister das Parlament ein "Theater" genannt. Das Urheberrecht für diesen Vergleich geht übrigens auf das Jahr 1925 zurück: "Theatergebäude der westlichen Demokratie", heißt es in "Mein Kampf". Der Autor ist bekannt.

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