Dirnberger zu Nepotismus bei Vergabe von Kassenverträgen

AK-Vizepräsident nimmt zu Äußerungen der NÖ - Ärztekammer Stellung

Wien (OTS) - "Ginge es nicht um die Gesundheit der Bevölkerung, wäre es um die Zeit schade, auf die Presseaussendung (APA-OTS 183 v. 11.2.2000) von Ärztekammer-Vizepräsident Dr. Harald Schlögl einzugehen. Da es aber um die Versorgung der Bevölkerung mit optimaler medizinischer Betreuung geht, nehme ich dazu Stellung", sagte heute AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger (ÖAAB). Die Rücktrittsforderung Schlögls ist an sich eine Uraltforderung. Schon seit 1992, als ich unter dem Motto "Wir kurieren den Ärztemangel" zum Kampf gegen den Facharztmangel antrat, hat Ärztekammervizepräsident Stöger meinen Rücktritt gefordert. Genauso war es dann, als ich das Problem Tausender Familien betreffend der horrenden Kosten für die Zahnkronen unter dem Motto "Wir behandeln bohrende Kosten" auf den Punkt brachte. ****

Die Behauptung Schlögls, wonach das Punktesystem zur Vergabe von Kassenverträgen an Ärzte sich über Jahre hinaus als objektiv und gut bewährt hat, ist falsch. Tatsächlich darf die Krankenkasse nur mit jenen Ärzten Verträge abschließen, die ihr von der Ärztekammer vorgeschlagen werden. Die Objektivität der Ärztekammer sieht dann so aus, dass die Ausbildung zum Notarzt eine weniger gute Qualifikation für einen Kassenvertrag ist, als Kind eines Arztes mit Kassenvertrag zu sein. Das hat sogar dazu geführt, dass sich Ärzte von Kassenvertragsärzten haben adoptieren lassen, um dann leichter dessen Vertrag übernehmen zu können. Der Nepotismus in Ärztefamilien geht sogar so weit, dass versucht wird, die Schularztstellen in der Familie zu behalten oder die Einrichtung einer Kassenvertragsstelle so lange zu verhindern, bis der Nachwuchs seine Facharztausbildung abgeschlossen hat, obwohl es andere Bewerber gibt. Ein aktuelles trauriges Beispiel ist die jahrelange Verhinderung eines Kinderfacharztes in Zistersdorf, man möge sich bei Bürgermeister Hofstetter erkundigen, wie rücksichtslos die NÖ Ärztekammer gegenüber Kindern und Müttern hier seit Jahren vorgeht.

Nicht, wie Schlögl es darstellt, ich alleine behaupte, dass die Ärzte mit ihrem Verschreibungsverhalten Schuld an den steigenden Ausgaben für Medikamente sind, auch Vertreter des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger und der Krankenkassen teilen diese Ansicht. Aus diesem Grund hat auch der Abgeordnete zum Nationalrat und Obmann der Sozialversicherung der Bauern, Karl Donabauer (ÖVP), befristete Kassenverträge für Ärzte vorgeschlagen.

Wenn Schlögl behauptet, mein Widerstand gegen Gruppenpraxen wende sich gegen eine Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung, dann ist das Rosstäuscherei. Vorteile haben dadurch die Ärzte. Sie teilen sich die Kosten für die Ordination und Personal und sie weisen sich gegenseitig Patienten zu. "Ein Horrorszenario tut sich da für die Krankenkassen auf, wenn ich z.B. an die Gruppenpraxis eines Internisten mit einem Laborarzt oder eines Orthopäden mit einem Physikalischen Mediziner und einem Röntgenarzt denke. Und mit der Wahlfreiheit der Patienten, welchen Arzt sie aufsuchen wollen, ist es dann auch vorbei, da der Orthopäde dem Patienten natürlich 'nahelegen' wird, beim Röntgenarzt in der gemeinsamen Gruppenpraxis einen Termin zu vereinbaren. Einfacher wird für den Patienten gar nichts, denn auch da muss er im Regelfall einen neuen Termin ausmachen, denn welcher Röntgenarzt hat für das Röntgen z.B. der Wirbelsäule und des Beckens sofort einen Termin frei. Aus all diesen Gründen gibt es auch Ablehnung seitens der Krankenkassen gegen Gruppenpraxen. Was die Bevölkerung braucht, sind mehr über das Land verteilte Fachärzte mit Kassenverträgen. Das wird aber von den alteingesessenen Ärzten aus Konkurrenzangst und Futterneid verhindert.

Den von Dr. Schlögl gegen mich angekündigten rechtlichen Schritten der Ärztekammer sehe ich jedenfalls mit Gelassenheit entgegen. Ich frage mich aber, wie ein Gericht wohl die Behauptung Schlögls, ich würde verleumden und mit Hass arbeiten, qualifizieren würde. Ich mahne daher meinen Kollegen in der Ärztekammer, Vizepräsident Dr. Harald Schlögl, zu mehr Vorsicht bei seinen öffentlichen Äußerungen, die sonst leicht zum Bumerang werden könnten. Er, Dirnberger, werde jedenfalls weiterhin dafür sorgen, dass die Interessen der Patienten Vorrang vor den Sonderinteressen des Ärztestandes bekommen.

Rückfragen: AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger, Tel.: 0664-2009448

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