Ärztekammer fordert Rücktritt von AK-Vize Dirnberger

Gerichtliche Schritte gegen Dirnberger werden geprüft

Wien (OTS) - "Die mit Verleumdungen und Unwahrheiten gespickten Haßtiraden, die der NÖ Arbeiterkammer-Vizepräsident Alfred Dirnberger seit langem und jetzt wieder aktuell gegen die Ärzteschaft reitet, sind ungeheuerlich und eines politischen Mandatares absolut unwürdig. Wenn jemand in einer so wichtigen Position, wie als Landtagsabgeordneter und Vizepräsident einer Arbeiterkammer tätig ist, so darf er nicht derartig leichtfertig Unwahrheiten verbreiten.

Durch seine wiederholt unqualifizierten Diffamierungen des gesamten Ärztestandes trägt Dirnberger er in keinster Weise zur Beruhigung des ohnedies aufgeheizten politischen Klimas bei. Die Meinungsfreiheit ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Demokratie, allerdings ist in der Politik besonnenes, sachorientiertes Handeln gefragt. Polemik und ständiges Anheizen der Situation ist das politisch unklügste, was man in er jetzigen Situation tun kann.

Ich fordere daher im Namen der niederösterreichischen - und vermutlich der gesamten österreichischen - Ärzteschaft Herrn Dirnberger auf mit sofortiger Wirkung sämtliche Funktionen zur Verfügung zu stellen!

Darüber hinaus werde ich Herrn Bundeskanzler und Parteiobmann, Herrn Dr. Wolfgang Schüssel, auf die Auswirkungen hinweisen, die ein weiteres derartiges Vorgehen von Dirnberger im Zusammenhang mit notwendigen Strukturänderungen im Gesundheitswesen haben konnte. Wir Ärzte sind grundsätzlich bereit politische Entwicklungen - sofern sie zumutbar bzw. ethisch und moralisch vertretbar sind - mitzutragen und zu unterstützen. Wenn jedoch durch die Aussagen einzelner unser gesamter Stand ungerechtfertigt in Mißkredit gebracht wird, so ist dies für eine konstruktive und produktive Zusammenarbeit alles andere als nützlich." zeigte sich heute der Vizepräsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Harald Schlögel, erzürnt über die permanenten ungerechtfertigten Angriffe Dirnbergers gegen die Ärzteschaft.

Dirnberger behauptet beispielsweise, daß bei dem Vergabesystem für die Nachfolge von Kassenplanstellen ein willkürliches Punktesystem angewendet werde. Schlögel: "Bereits seit längerem wird die Punkteregelung, die sich über Jahre hinaus als objektiv gut bewährt hat, überarbeitet, da wir an einer weiteren Verbesserung und Objektivierung gemeinsam mit Experten arbeiten."

Außerdem sei laut Dirnberger die Ärzteschaft schuld an den steigenden Medikamentenkosten, da sie nur die teuersten Medikamente verschrieben. Dies weist der Vizepräsident der NÖ Ärztekammer als unwahr auf das Schärfste zurück. Es sei dies lediglich ein weiterer Beweis dafür, daß Dirnberger von medizinischen Belangen nicht die geringste Ahnung hat. Schlögel: "Wir Ärzte sind seit jeher auf eine ökonomische Verschreibweise bedacht. Weshalb sonst würden wir gemeinsam mit der Sozialversicherung Projekte wie die Vortragsreihe "Arznei & Vernunft" ins Leben rufen? Dabei geben wir interessierten Ärzten die Möglichkeit, sich über neue Entwicklungen am Medikamentensektor und Einsparungsmöglichkeiten zu informieren.

Es ist jedoch eine Tatsache, daß nicht alle Medikamente die gleiche Wirkung erzielen. Wenn der Vizepräsident der Arbeiterkammer der Meinung ist, daß es besser wäre das billigste, aber nicht das für den Patienten notwendige oder beste Medikament zu verschreiben, so soll er dies kundtun. Dirnberger soll sich öffentlich dazu bekennen, daß es Wunsch des ÖAAB und der Arbeiterkammer ist, nicht nach der Qualität, sondern ausschließlich nach dem Preis der Medikamente die medizinische Versorgung zu regeln.

Wir Ärzte werden allerdings einem solchen medizinischen und gesundheitlichen Wahnsinn sicherlich entschieden entgegentreten."

Auch die Tatsache, daß Dirnberger nun öffentlich als Verhinderer von Gruppenpraxen auftritt zeige die Ahnungslosigkeit des Abgeordneten. In den meisten modernen westlichen Ländern haben sich Gruppenpraxen als ideales Bindeglied zwischen den niedergelassenen Arztpraxen und den Krankenhäusern etabliert. Sie sind in ihrer Kostenstruktur weit billiger als Krankenhäuser, sind jedoch in der Lage eine zeitgemäße medizinische Versorgung - vor allen in Ballungszentren - zu schaffen. Sich derartigen Einrichtungen zu widersetzen heißt, eine Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung abzulehnen.

Schlögel: "Dirnberger ist sich offensichtlich nicht bewußt, welche Folgen eine Umsetzung seiner Ideen hätte. Für die medizinische Versorgung der Patienten wäre es katastrophal."

Daß die in der Autonomie der Krankenkassen liegende mögliche Einführung eines Selbstbehalts für alle Patienten zur Gewinnsteigerung der Ärzte beitrage, ist nach Aussagen der Ärztekammer ein abermaliges Zeichen der Ahnungslosigkeit des Arbeiterkammerfunktionärs. "Dirnberger sollte sich einmal bei seinen Kolleginnen und Kollegen, die seitens der Arbeiterkammer in die Gebietskrankenkasse entsendet werden, erkundigen, wie die Strukturen der Krankenkassen wirklich funktionieren.

Möglicherweise will er dies jedoch gar nicht, da ihm sonst keinerlei Inhalte für seine polemischen Äußerungen blieben. Seitens der Kammer werden wir jedenfalls rechtliche Schritte gegen Herrn Dirnberger prüfen, da es unzumutbar ist, daß die Bevölkerung durch die unwahren Aussagen eines politischen Spitzenfunktionärs ständig verunsichert wird" so der Ärztekammervizepräsident abschließend.

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