Rieder: Hausarzt-Selbstbehalt gesundheitspolitische Geisterfahrt

Wien, (OTS) "Wer allen Ernstes glaubt, Hausarzt-Selbstbehalte hätten irgendeinen Reformwert, muss sich den Vorwurf des gesundheitspolitischen Geisterfahrers gefallen lassen",
kommentierte am Freitag Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder die aktuellen und sich immer wieder widersprechenden Aussagen zur Einführung dieser Selbstbehalte.

Abgesehen von den großen Belastungen und Ungerechtigkeiten, die auf die Patienten zukommen, würde die Bundesregierung in
dieser Frage wider besseres Wissen und wider internationaler Expertenmeinungen agieren. "Jahrelang eine "Übermacht" des teuren Spitals in der medizinischen Betreuung zu beklagen, und dann durch derart undurchdachte Maßnahmen erst recht einen ´Run´ auf die Spitäler auszulösen, zeugt sowohl von großer Inkompetenz als auch Inkonsequenz", betonte Rieder.

Konkret nannte Rieder vier Gründe gegen den Hausarzt-Selbstbehalt:

Es wird zu Ungerechtigkeiten gegenüber den Patienten kommen. Niemand kann sich aussuchen, ob er krank wird oder nicht.
Daraus resultiert eine weitere gesundheitspolitische Todsünde: Auf der einen Seite wird vollmundig die Vorsorge propagiert, gleichzeitig werden Selbstbehalte viele Menschen von einem rechtzeitigen Arztbesuch abschrecken. Die Chancen auf
Früherkennung von Krankheiten werden dramatisch sinken.
Der Hausarzt-Selbstbehalt ist der direkte Weg in die Zwei-Klassen-Medizin, weil damit das erste Glied einer "Therapie-Kette" für die Patienten mit einer finanziellen Belastung verbunden ist.
Es droht ein volkswirtschaftlicher Flop: Künftig besteht die Gefahr, dass medizinische Standardleistungen da erbracht werden,
wo sie am teuersten sind, nämlich im Spital. Auf der Strecke
bleibt letztendlich der Steuerzahler.

Immer wieder hätten ÖVP und FPÖ gerade in Wien eine "Spitalslastigkeit" des Gesundheitssystems kritisiert, fuhr der Wiener Gesundheitsstadtrat fort. "Und tatsächlich gehen die Wienerinnen und Wiener nochmals häufiger als die Bewohner anderer Bundesländer ins Spital. Das hängt einerseits mit der hohen Versorgungsdichte und –qualität in der Bundeshauptstadt zusammen, andererseits entspricht dies den internationalen Erfahrungen,
wonach in Großstädten, und Wien ist im internationalen Vergleich die einzige Großstadt Österreichs, die Spitalshäufigkeit immer besonders hoch ist."

Deshalb gibt es in der Bundeshauptstadt schon seit geraumer Zeit ambitionierte Projekte, um die Zusammenarbeit zwischen dem niedergelassenen Ärztebereich und dem Spitalsbereich zu intensivieren und effizienter zu gestalten. Rieder: "So hat sich
das ´Gesundheitsnetz Donaustadt", in dem das Donauspital und umliegende niedergelassene Ärzte organisatorisch, z.B. bei der Zuweisung oder beim Befundaustausch auf elektronischer Ebene, zusammenarbeiten, bestens bewährt." Darüber hinaus sei derzeit für den Westen Wiens ein umfassendes Kooperationsprojekt zwischen öffentlichen und privaten Spitälern und den niedergelassenen Ärzten geplant.

"Diese Beispiele zeigen, wie man mit Intelligenz und
Phantasie und nicht auf dem Rücken der Patienten Kosten senken und organisatorische Verbesserungen erzielen kann." betonte Rieder abschließend. (Schluss) nk

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