Das WirtschaftsBlatt "Mobben in Wirtschaft und Politik" von Jens Tschebull

Wien (OTS) - Mobben oder Mobbing bedeutet laut Duden das
"ständige Schikanieren von Arbeitskollegen mit der Absicht, sie von ihrem Arbeitsplatz zu vertreiben". Mobbing gibt es allerdings nicht nur in Unternehmen. Auch in Schulen, Vereinen und sogar internationalen Organisationen gibt es diese unfeine Art, einem unliebsamen Partner unter Umgehung aller vereinbarten gemeinsamen Spielregeln ständig individuell auf die Zehen zu steigen. Für den zum Opfer auserkorenen Mitarbeiter eines Unternehmens kann es lästig werden, wenn der Mob (randalierender Haufen) mobil macht: Etwa eine militärische Macho-Einheit gegen eine Soldatin, oder die Angehörigen eines rassistischen Tennisklubs gegen ein farbiges Mitglied, das, wie der Zufall so spielt, nie einen Spiel- und Gesprächspartner findet. Eine souveräne Firmenleitung sollte sofort dagegen einschreiten und nicht nur abwarten (auch die Arbeiterkammer ist dieser Meinung), denn Mobben ist der Anfang innerbetrieblicher Anarchie, bei der sich die Akteure nicht von Arbeitsrecht, Verträgen und Statuten, sondern von den eigenen Sympathien und Antipathien leiten lassen. Es geht dann nicht um klare Vorwürfe, etwa ständiges Rauchen in Nichtraucherzonen, die in einem statutengemässen Verfahren geklärt werden könnten; es gibt stattdessen nur individuelle, "bilaterale" (zweiseitige) unfreundliche Akte einzelner Mitglieder, ohne Beschwerde- oder Berufungsmöglichkeit des Opfers. Der Ausgestossene ist manchmal wirklich ein Ekel, dem man die Bosheitsakte vergönnen könnte, häufig aber stecken Verleumdung, Vorurteile oder egoistische Motive der feindseligen Partner dahinter. In jedem Fall ist Mobben ein Akt der willkürlichen Selbstjustiz durch Kollegen, Partner oder Vereinsmitglieder, die ein ordentliches Verfahren erst gar nicht einleiten wollen, weil es wenig Aussicht auf Erfolg hätte. Das Opfer kann sich nicht wehren, da es keinen legitimierten Ankläger gibt; nur eine Gruppe bilateraler Nadelstecher. Während die Politik sich schwer tut, bewährte Organisationsformen und Konfliktlösungsmodelle aus der Wirtschaft zu übernehmen, erweist sie sich beim Mobben durch bilaterale unfreundliche Handlungen als gelehriger Schüler. Österreich lernt gerade kennen, was nationales und internationales politisches Mobben bedeutet.

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