"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mut" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 10.02.2000

Graz (OTS) - Wolfgang Schüssel scheint Nerven so stark wie Stahlseile zu haben. Nach außen hin ist ihm nicht anzumerken, welcher Druck auf ihm lastet.

Je wilder der Sturm tobt, desto ruhiger wirkt er - schon allein der Hoffnung wegen, der anbrandende Protest möge ins Leere laufen und schließlich verebben.

Wenn der Bundeskanzler mit seiner Forderung nach mehr Mut wie jemand wirkte, der sich im dunklen Wald durch Pfeifen Mut macht, dann traf dies weniger auf die Person, sondern auf das Amt zu.

Schüssel steckt in einer Doppelmühle: Es muss ihm gelingen, im Ausland wieder Vertrauen für Österreich aufzubauen, und gleichzeitig muss er beweisen, dass die Wende keine inhaltsleere Wahlparole war.

Mit Mut allein wird ihm das nicht gelingen. Zum Mut muss auch Augenmaß kommen, weil die in der Regierungserklärung angekündigten Einschnitte in das soziale Netz sorgfältig vorbereitet und der Bevölkerung erklärt werden müssen.

Der Hinweis auf die leeren Kassen genügt nicht.

Auch deshalb nicht, weil die Gewerkschaft der Regierung nicht mehr die Mauer macht, sondern ihr die Stirn bietet. ****

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