Dirnberger kritisiert Regierungsvorhaben im Gesundheitssystem

AK-Vizepräsident nennt 20 % Selbstbehalt eine Krankensteuer - Gruppenpraxen sind reine Geldbeschaffung für Ärzte

Wien (OTS) - Anlässlich der heute abgegebenen Regierungserklärung übte AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger (ÖAAB) scharfe Kritik an den Vorhaben im Gesundheitssystem. Dirnberger: "Der angekündigte 20 % Selbstbehalt ist nichts anderes als eine Krankensteuer und wird daher von uns als zutiefst unsozial abgelehnt. Wobei der Bereich Gesundheit im Regierungspakt ohnehin mehr einem "Hudri Wudri" gleicht, als einem Kapitel, das auf Sachkenntnisse aufbaut. Wie anders ist es zu erklären, dass der neue Gesundheitsstaatssekretär fast eine Woche braucht, um klar zu stellen, dass der Selbstbehalt im Krankenhaus nicht gilt. Immerhin hätte das viele Familien in den Privatkonkurs getrieben. Und es zeugt auch nicht von besonderer Sachkenntnis, wenn angekündigt wird, dass Kinder vom Selbstbehalt ausgenommen sind, denn Kinder sind nach österreichischem Recht nur Personen bis zum vollendeten 12. Lebensjahr. Versicherungsleistungen für einen 13jährigen unterliegen also schon dem Selbstbehalt."

Dirnberger kritisiert auch die von der Regierung geplante Einführung von Gruppenpraxen als reine Geldbeschaffungsaktion für die Ärzte. "Es ist eine Horrorvorstellung für jeden, der vom Gesundheitssystem etwas versteht, wenn man sich eine künftige Gemeinschaftspraxis von Internist, Labormediziner, Orthopädie und Röntgenarzt vorstellt. Da werden auf der einen Seite Personalkosten gespart und auf der anderen Seite weisen sich die Ärzte die Patienten flott zu. Eine Explosion der Ausgaben der Krankenversicherungen für ärztliche Leistungen ist damit unausweichlich. Dafür ist der Selbstbehalt offenbar auch vorgesehen zur Gewinnsteigerung der Ärzte."

Statt Gruppenpraxen vorzusehen, hätte sich die Regierung besser darum kümmern sollen, so Dirnberger, dass die Vergabe von Kassenverträgen vereinfacht wird. Denn derzeit darf eine Krankenkasse nur mit jenem Arzt einen Vertrag abschliessen, der von der Ärztekammer dazu vorgeschlagen wurde. Da alteingessene Kassenärzte aber keine Konkurrenz wollen, gehen die Ärztekammern hier sehr restriktiv vor. Dirnberger: "Es fehlen für eine gute medizinische Versorgung - auch zur Entlastung des teuren Spitalsbereiches - viele Ärzte mit Kassenverträgen. Doch Gruppenpraxen sind hier der falsche, teure Ansatz. Denn Ärzte nutzen jede Möglichkeit zur Einkommenssteigerung, wie sie das schon bei der Einführung der Krankenscheingebühr gezeigt haben. Denn tatsächlich haben im ersten Jahr der Einführung die Patienten weniger Scheine beim Arzt abgegeben und dennoch hat es eine Steigerung bei den Ausgaben der Krankenversicherungen für ärztliche Leistungen gegeben. Die Ärzte haben nämlich für die wenigeren Patienten vorsorglich mehr Einzelleistungen verrechnet."

Dirnbergers Forderungen an die neue Bundesregierung:

- Die Krankenkassen müssen unabhängig von der Ärztekammer das Recht erhalten, mit einem Jungmediziner, einer Jungmedizinerin einen Kassenvertrag abzuschließen. Das Vorschlagsrecht und damit Vetorecht der Ärztekammer muss aus dem ASVG gestrichen werden.

- Jeder Arzt mit einem Kassenvertrag muss von Montag bis Freitag die Ordination zumindest 4 Stunden geöffnet haben.

- Die Rezeptfreiheit ist, wie vom ÖVP-Abgeordneten Prim. Dr. Leiner gefordert, auszuweiten. Das schafft mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung für den Patient und spart der Volkswirtschaft nach Berechnungen von Experten der Uni Innsbruck bis zu 3 Milliarden Schilling jährlich. Die Sicherheit ist durch die Abgabe an der Apotheke, und nicht etwa im Supermarkt oder der Tankstelle, garantiert.

- Ärzte sollen nur mehr, so wie das der ÖVP-Abgeordnete Karl Donabauer gefordert hat, befristete Kassenverträge erhalten, um sie so zu mehr Kostenbewusstsein bei der Verschreibung von Medikamenten zu zwingen.

- Ärzte sollen sich im Bereich Medikamente verpflichtend fortbilden müssen. Diese Fortbildungen sollen von Ärztekammer und Universität organisiert werden. Denn derzeit erwerben sich die Ärzte ihr Wissen über die neuesten Medikamente durch die Besuche der Pharmareferenten der Konzerne. Das sind aber vor allem Werbeveranstaltungen, was soweit geht, dass im vergangenen Jahr Internisten von einem Pharmakonzern zum Lachsfischen nach Alaska eingeladen worden waren.

AK-Vizepräsident Dirnberger abschliessend: "Die Bundesregierung wäre gut beraten bei ihren Vorhaben im Gesundheitssystem nicht nur auf Vertreter der Ärzte zu hören, immerhin ist auch der neue Gesundheitsstaatssekretär Funktionär der Standesvertretung "Ärztekammer" und kann somit nicht objektiv im Interesse der Patienten und der Krankenversicherungen entscheiden."

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Vizepräsident Alfred Dirnberger,
Tel. 01-58883-1706

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKD/OTS