Blech

Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Ingeborg-Bachmann-Preis Ausgabe vom 9. 2.2000 Klagenfurt (OTS) - Da ist etwas, das begreift er nicht. Weil er nur sich selbst sieht. Weil er es nicht begreift, verabscheut er es. Weil er es verabscheut, wird er es nie begreifen: Was eine autistisch angelegte Persönlichkeit der Kunst und dem geistigen Gegenüber empfindet, ist erstens Angst, weil sich das Geistige seinem monumanischen Weltbild entzieht. Zweitens das Bedürfnis, das Geistige zu korrumpieren (nach dem Motto "Alles ist käuflich"). Drittens, wenn das nicht möglich ist, Spott und Hohn, Hass sogar. Als totgelaufene und sterile Veranstaltung verhöhnte Jörg Haider den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Dass Klagenfurt und damit Kärnten seit 24 Jahren der zentrale Umschlagplatz für die deutschsprachige Literatur waren, muss auch er wissen. Aber er kann es nicht ertragen, dass der Name Ingeborg Bachmann Kärntens Weltgeltung ausmacht und nicht der seine. Das kann er nicht dulden. Was soll einem Manne, der, in sich selbst verschaut, die Welt für ein Spiegelkabinett hält, die abgründig liebende Mahnerin. "Die Liebe schneidet ins lebendige Fleisch", sagte einmal Hugo von Hofmannsthal. So war die Liebe der Ingeborg Bachmann zu Kärnten beschaffen. Sie liebte seinen gefährlichen Zauber, sie litt unter vieler Kärntner Hand zum dumpfen Trotz, zur Selbstaufgabe, wenn einer daherkommt und Macht ausübt. Kärnten steht stets vor der Wahl: Entweder die ernste Stimme einer Frau, die deutsche Weltliteratur geschrieben hat oder das starre Grinsen irgendeiner verkörperten Obrigkeit. Einmal wird es auch Kärnten begreifen, wenn es alles, alles seinem Idol geopfert hat: Gold hab ich für Blech.

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