"Neue Zeit" Kommentar: "Im Tunnel" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 9. 2. 2000

Graz (OTS) - Am vergangenen Freitag musste Österreichs neue Regierung erstmals den Weg zur Angelobung durch einen unterirdischen Gang nehmen. Gestern war für den - ohnehin nicht freiwilligen -ersten Auftritt des neuen Bundeskanzlers das Parlament großräumig abgesperrt. Die Besucherkarten hatte man vor allem an Polizei- und Gendarmerieschüler vergeben, auf dass das "einfache Volk" seinen Vertretern nur ja nicht zu nahe rückt. Für die heutige Regierungserklärung sieht sich die Exekutive zu noch umfangreicheren Vorkehrungen veranlasst.

Dass sich bis in die späten Nachmittagsstunden kaum ein Demonstrant zeigte, machte die Szene noch gespenstischer: Bisher hatten es nur diktatorische Regime notwendig, einen derart dichten Sicherheitskordon zwischen sich und ihrem Volk zu ziehen. Der wahre "Demonstrant" des gestrigen Tages war ohnehin der Bundespräsident:
Provoziert von FP und VP veröffentliche Thomas Klestil eine umfangreiche Darstellung, an welchen Tagen ihn welche ausländischen Staatsmänner und Politiker vor einer FP-Regierungsbeteiligung gewarnt hatten. Und wann er diese Warnungen an Wolfgang Schüssel und die gesamte VP-Spitze - einschließlich der Landeshauptleute! -weitergegeben hatte.

Wolfgang Schüssel zeigte sich im Parlament trotzdem einmal mehr unangefochten von aller Kritik. Er bleibt bei seiner Devise: "Augen zu und durch." Wer sich schon im Tunnel befindet, für den kann es ohnehin nicht noch finsterer werden.

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