Nicht mit Hochmut

Um Haider zu entzaubern, bedarf es mehr als Moral
(Von Karl Danninger)

Besser kann man das Problem kaum darstellen. Anerkannte Größen des deutschen Infotainments, der Literatur und der Politik setzen sich zu einer Diskussionsrunde mit Jörg Haider zusammen Ð mit dem erklärten Ziel, den Gottseibeiuns zu entzaubern. Die Absicht war löblich. Die Mittel aber waren untauglich, der Erfolg gar das Gegenteil des angestrebten Ziels. Was sich in der n-tv-Sendung ãTalk in BerlinÒ am späten Sonntagabend abgespielt hat, war eine totale Entzauberung, allerdings nicht Haiders, sondern seiner Kritiker. Moderator Erich Böhme, immerhin einstiger ãSpiegelÒ-Chef, als Leiter der Entzauberungstruppe, ihm zur Seite der Schriftsteller Ralph Giordani und OSZE-Sprecher Freimut Duve: Sie alle könnten jetzt wissen, wie man Haider nicht begegnen soll, nämlich mit dem Hochmut dessen, der nur die Gewissheit der eigenen Moral ins Treffen zu führen hat. Aber sie werden es auch nach diesem Sonntagabend nicht begriffen haben, Hochmut legt man in deren Position und Lebensalter nicht über Nacht ab.
Aber immerhin war es ein Lehrstück, nach dessen Inszenierung vielleicht einige Zuseher begriffen haben: Haider kann man nicht mit Hochmut bekämpfen, Haider muss man ernst nehmen, um ihn bekämpfen zu können.
Wäre es nämlich so einfach, wie sich die Herren beim Talk in Berlin das vorgestellt haben, wäre Haider nicht zum Problem geworden. Dann wäre er auch ohne Zutun deutschen Infotainments nicht zu dem geworden, was die Böhmes und Duves von oben her so beredt beklagten und mit ihrem Hochmut zu verätzen suchten.

Nein, Haider ist weder durch Ausgrenzung (SP-Methode) noch durch Isolierung oder Erpressung (EU-Methode) beizukommen. Haider wurde nicht zu dem Gespenst, weil er so ein klasser Nazi ist, sondern weil er in begnadeter Populisten-Manier Missstände gnadenlos aufgezeigt hat. Und weil er selbst das Ausgrenzen von ungeliebten und wehrlosen Bevölkerungsgruppen in seine politische Methodik aufgenommen hat. Natürlich haben ihn die Nazis auch gewählt, wen hätten die denn sonst wählen sollen? Die SP, der die SS-Minister weggestorben sind? Oder wen?
Haider war bisher fast ausschließlich Oppositionspolitiker. Nun ist er in die Arbeit eingebunden. Auch wenn er die Koalitionsarbeit zum Scheitern bringen möchte, ist er zu partieller Mitarbeit gezwungen. Obstruktion pur wird nicht mehr honoriert, weil sich durch den von Haider betriebenen Regierungseintritt der FP die Erwartungshaltung geändert hat. Von der FP werden Ergebnisse erwartet.

Das Problem des FP-Obmanns ist es jetzt, nicht allzu viel von seinem magischen Image zu verlieren, indem er das Gesetz des Handelns teilweise aus der Hand gibt, gleichzeitig aber Ð zumindest für bestimmte Zeit Ð Punkte sammeln zu müssen, die aus konstruktiver Regierungsarbeit resultieren.
Haider wird nicht auf Sicht entzaubert werden können. Aber es ist möglich. Doch ganz sicher nicht durch Auftritte hochmütiger Herren, die Haider zu kennen glauben, in Wahrheit aber bedauernswerte Ignoranten sind.

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