"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zeitenwechsel" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 05.02.2000

Graz (OTS) - Wenn der Weg schon das Ziel ist, dann war es für
die schwarz-blaue Regierung ein schlechtes Vorzeichen: Der Bundeskanzler und seine Minister mussten zur Angelobung einen unterirdischen Gang in die Hofburg benützen. Dort vermittelte ihnen der Bundespräsident das Gefühl, sie wären kriechend in jene Prunkräume eingedrungen, von wo aus einst halb Europa regiert wurde.

Drinnen herrschte Eiszeit und draußen tobte die Menge. Eier und Tomaten flogen, später auch Steine. Die mit Helm und Schild ausgerüstete Polizei bildete einen Schutzwall vor dem Kanzleramt.

Man konnte ihn auch als Belagerungsring deuten - im Inland geschmäht, vom Ausland geschnitten.

Unter so depremierenden Umständen wie Wolfgang Schüssel hat noch kein Bundeskanzler sein Amt angetreten, selbst Leopold Figl nicht, obwohl damals Hunger und Not regierten, während heute Wohlstand herrscht.

Mit der großen Koalition ist die Nachkriegszeit zu Ende gegangen. Zum Wechsel der Regierung kommt der Wechsel vom Konsens zum Konflikt. Durch Österreich geht ein Riss, die Gegensätze werden härter. Soll der Streit nicht zum Kampf ausarten, muss auch der Machtverlust demokratisch hingenommen werden. ****

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