"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Tag der Resignation

Ausgabe vom 5.2.2000
Der gestrige Freitag wird als der traurigste Tag der Zweiten Republik in die Geschichte eingehen. Es war der Tag nationaler Resignation. Der Bundespräsident gelobte gegen seine persönliche Überzeugung eine Regierung an, weil er "keine andere Wahl gehabt" hat. Die Regierung -zum Teil aus abgehalfterten Persönlichkeiten zusammengestoppelt -flüchtete durch einen gebunkerten Tunnel in die Hofburg, weil oben, im Tageslicht, ihre Sicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen wäre. Tausende Demonstranten auf dem Heldenplatz, in der ganzen Innenstadt. Nicht nur Kommunisten und Schaulustige, wie der ORF sehen wollte, sondern Österreicher aller Überzeugungen, zeigten bei aller Resignation, dass es in diesem Land noch Widerstandsfähigkeit gibt. Polizei mit Helm, Schild und Schlagstock, Hunden, prägte das erschütternde Bild, das unsere Republik heute abgibt. Aber auch das im Stephansdom, wo sich Menschen sammelten, um für unser Land zu beten.
Unsere europäischen Partner machten, wie seit langem warnend angekündigt, gestern politisch die Grenzen dicht. Für die Regierungsmitglieder auch faktisch, sie können gleich im Bunker bleiben.
In welche absurde Tiefe der Resignation dieses Land gefallen ist, zeigt des Präsidenten erste Barrikade und letzter Anker. Die Präambel. Zu anderen Zeiten wäre diese nur komisch, dass der Päsident sie heute zwingend dem Regierungsprogramm voranstellt, zeigt das Ausmaß des Dramas. Aber sie ist auch jenes Gefäß, in dem Klestil die Hände vor der Welt in Unschuld wäscht.

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