Dirnberger: Kassendefizit droht sich im Jahr 2000 zu Verdreifachen

Gegen Selbstbehalt bei den Patienten - endlich bei der Verschreibepraxis der Ärzte ansetzen

Wien (OTS) - Die neuesten Hochrechnungen für Medikamentenausgaben im Jahr 2000 lassen alle Alarmglocken schrillen, warnt heute AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger (ÖAAB). Beträgt das Defizit der NÖ-Gebietskrankenkasse für 1999 noch 300 Millionen Schilling, so soll es bei ähnlicher Entwicklung im Jahr 2000 um 900 Millionen ausmachen. Eine Ursache dafür ist klar: Das zügellose Verschreiben von teuren Medikamenten durch die Ärzte. Daher fordert Dirnberger erneut als gegensteuernde Maßnahme nur mehr befristete Kassenverträge an Ärzte zu vergeben. Damit sollen die Ärzte gezwungen werden, künftig das bestgeeignetste Medikament zu verschreiben und nicht jenes, das vom jeweiligen Pharmareferenten zuletzt am besten (und mit entsprechenden Benefits) beworben wurde.

Dirnberger: "Von der künftigen Bundesregierung erwarte ich mir Maßnahmen zu Einsparungen, die bei den Ärzten ansetzen. Keinesfalls darf es zur Einführung oder Erhöhung bestehender Selbstbehalte kommen, die wiederum nur die Patienten belasten würde. In diesem Zusammenhang erinnere ich auch daran, daß von den Politikern in Regierung und Nationalrat versprochen wurde, mit Einführung der Chipkarte die Krankenscheingebühr wieder aufzugeben."

Ärztewoche-Redakteurin übt Kritik an Ärztekammerpräsident Pjeta

Bestätigt in seiner Kritik an den Ärzten sieht sich Dirnberger auch durch einen Kommentar der Ärztin für Allgemeinmedizin und Medizinjournalistin Dr. Irene Lachawitz in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Ärztewoche". Darin schreibt Lachawitz:"...Deshalb kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Warnungen vor einer Medizinerschwemme und den angeblich tausenden arbeitslosen Ärzten auch Ausdruck von Konkurrenzangst und Futterneid sind." Lachawitz übt auch massive Kritik an Ärztekammerpräsident Dr. Otto Pjeta und an der unsolidarischen Haltung der Ärzte jungen Kollegen gegenüber. Dazu Dr. Lachawitz: "Müssen zum Beispiel Ärzte über 70 oder älter noch Kassenordinationen betreiben?"

Vergabe von Kassenverträgen darf nicht der Ärztekammer überlassen bleiben

Damit spricht Dr. Lachwitz die Vergabe von Kassenverträgen an. Nach dem derzeit gültigen ASVG dürfen Krankenkassen nur an jene Ärzte Verträge vergeben, die ihnen von den Ärztekammern vorgeschlagen werden. "So ist einem Nepotismus Tür und Tor geöffnet. Aber es ist noch viel schlimmer, denn in NÖ regelt ein willkürliches Punktesystem, wer von der Ärztekammer vorgeschlagen wird. Dabei ist die Ausbildung zum Notarzt 1 Punkt wert, Kind eines Arztes zu sein hingegen 20 Punkte. Damit die Pfründe schön in der Familie bleiben, macht dann schon einmal ein älterer Herr gelegentlich Ordination, um den Kassenvertrag für den noch studierenden Nachwuchs zu sichern . Aber in Niederösterreich geht diese Absurdität sogar noch weiter. Da können sich Jungmediziner von Ärzten mit Kassenverträgen adoptieren lassen. Das ist dann auch noch immer 20 Punkte wert. Und andererseits können die Ärzte mit ihren Kassenvertägen auch dealen. Denn 8 Punkte bringt eine sogenannte "Privatrechtliche Einigung mit dem Praxisvorgänger", was nichts anderes heißt, als dass die Ärzte mit den Verträgen der Krankenkassen schwunghaften und einträglichen Handel betreiben, der von der Ärztekammer sogar offiziell unterstützt wird", kritisiert AK-Vizepräsident die Praxis, die sich am Rücken von Jungärzte, aber auch Patienten abspielt.

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