"Kurier" Kommentar: (von Alfred Payrleitner)

Ausgabe vom 3.2.2000)

Wien (OTS) - Über das Risiko von Wolfgang Schüssel Warten auf die nächste Bombe Wenn fast alle durchknallen, tut es wohl, in einer ausländischen Qualitätszeitung, der Neuen Zürcher, einen Satz wie diesen zu lesen: "Wer sich auskennt, wird einräumen, dass Österreich nicht jenes von Neonazis und Fremdenhass verseuchte Land ist, als das es offenbar gilt." In Zeiten wie diesen, in denen es ein österreichischer Provinzpopulist geschafft hat, als "Gefahr für Europa" zu erscheinen, ist man schon für die Feststellung des scheinbar Selbstverständlichen dankbar. Aber wer kennt sich schon aus? Wie bei bedingten Reflexen vollzieht sich die Gleichsetzung Hitler - Waldheim - "Hyder". Ebenso folgerichtig setzen die Gegenreflexe ein. Der Jörg, "Unser Bua" und ganz Österreich als Märtyrer. Schließlich der "Dolchstoß"- ob nur Legende oder mit einiger Begründung. Eben deshalb muss man dagegenhalten, ebenfalls mit geschichtlichen Erinnerungen. Das letzte Mal, als von außen auf die Zusammensetzung einer souveränen österreichischen Regierung massiv Einfluss genommen wurde, schrieb man den 12. Februar 1938, der Erpresser war das Deutsche Reich. Ein völlig überzogener Vergleich? Natürlich. Aber dann sind auch die heutigen Gleichsetzungen schief. Vor allem sollte man verstehen, dass es, besonders für ältere Menschen, eine völlig unerträgliche Vorstellung ist, Vorschreibungen über die Regierungsbildung oktroyiert zu bekommen. Ist das die richtige Europa-Erziehung? Kann man sich vorstellen, dass man sich so etwas in London, Paris oder Rom gefallen ließe? Ein Verfahren nur mit Anklage, ohne Verteidigung und ohne Beweisführung - nur aus Angst vor künftigen Untaten? Wer ist der Nächste? Allerdings bedeutet Recht zu haben noch lange nicht, auch Recht zu bekommen. Wenn ein Außenminister derart überrumpelt wird, müsste er unter normalen Umständen sofort den Hut nehmen. Nun wechselt er ins Kanzleramt. Noch schneller müsste der Verursacher, Jörg Haider, die Konsequenzen ziehen. Aber wir haben keine normalen Umstände. Die Parlamentsmehrheit muss sich durchsetzen können und danach wird man an die Aufräumungsarbeiten schreiten können. Sie werden sich denkbar schwierig gestalten. Haider ist ein milieuabhängiger Verbalattentäter: Die Jubelrufe der Skihüttenfreunde sind ihm allemal wichtiger als die Staatsraison. Marke: Frechheit siegt. Noch fester zurückhauen und dann lachen und sich halb entschuldigen. War da was? Da sich Fünfzigjährige nicht mehr zu ändern pflegen, geht Wolfgang Schüssel mit einem Sprengsatz in der Hosentasche in diese neue Koalition.

Die nächste Zündung erfolgt bestimmt, man weiß nur nicht wann. Dann wird es am Charakter und an der Konsequenz des nächsten Kanzlers liegen, diese Bindung und damit auch seine eigene Karriere zu beenden.

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