Ärzte verursachen bei NÖ GKK 300 Millionen Schilling Defizit

Dirnberger fordert von Regierungsverhandlern Ausgabensenkungen bei und durch Ärzte statt Patientenbelastungen wie etwa Selbstbehalte

Wien (OTS) - Ein Defizit von 300 Millionen Schilling in der
Bilanz für 1999 befürchtet AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger (ÖAAB) für die NÖ - Gebietskrankenkasse. Ursache dafür sind die jedes Jahr erneut explodierenden Ausgaben für Medikamente. Deshalb schlägt Dirnberger einen Maßnahmenkatalog zur Kostensenkung vor.

Dirnberger: "Der Grund für die Ausgabensteigerung ist das Verschreibungsverhalten der Ärzte. Diese verschreiben immer teurere Medikamente. Das beweist ein Blick auf die Statistik. So wurden 1998 im Vergleich zum Vorjahr nur rund 6 % mehr Medikamente verschrieben, die Ausgaben dafür stiegen allerdings um über 15 %. Diese Entwicklung gibt es seit Jahren und auch für heuer wird eine Ausgabensteigerung für Medikamente um über 14 % erwartet".

Die Bilanz weist klar nach, dass die Ursache für diese Ausgabensteigerung bei den Ärzten liegt. Diese werden von findigen Pharmareferenten dazu verleitet, immer teurere Medikamente zu verschreiben. Wie weit das geht, zeigt Dirnberger an einem Beispiel auf: "Mir ist bekannt, dass eine Pharmafirma u.a. Internisten zu einem Lachsfischen nach Alaska eingeladen hat. Das ist sicher nicht zum therapeutischen Nutzen für die Patienten geschehen, sondern zum finanziellen Vorteil der Pharmafirma. Denn so wissen die Ärzte schon, welche Präparate sie verschreiben müssen, um erneut zu ähnlich luxuriösen Reisen eingeladen zu werden." Dirnberger weist in diesem Zusammenhang auf ein besonderes Problem hin. Die Fortbildung der Ärzte in Fragen der Medikamente findet bei den Besuchen der Pharmareferenten bzw. auf solchen Reisen statt. Damit ist aber sicherlich keine objektive Ausbildung zu den neuen am Markt befindlichen Medikamenten möglich. "Zahlen dürfen diese Unsitte der Pharmafirmen und der Ärzte dann die Beitragszahler", kritisiert Dirnberger und fordert daher folgende Maßnahmen:

+ Ärzte sollen in Zukunft nur mehr befristete Verträge von Krankenkassen erhalten. Steigen die Arzneimittelausgaben des Arztes unerklärlich hoch an - das teuerste Medikament ist nicht immer das wirksamste - wird der Vertrag nicht mehr verlängert

+ Eine verpflichtende, regelmäßige Fortbildung der Ärzte über Medikamente. Diese Fortbildung soll von der Ärztekammer gemeinsam mit den Universitäten und Forschungseinrichtungen organisiert werden

Dirnberger abschließend: "Mit diesen Maßnahmen verlieren die Ärzte nicht ihr Einkommen, aber ihre Benefizien und würden damit maßgeblich zu den notwendigen Einsparungen der Krankenkasse beitragen. Gleichzeitig wird damit die geradezu perfide Situation bereinigt, dass ausgerechnet die soziale Krankenversicherung die Pharmaindustrie über teure Medikamente sponsert. Damit können drohende Beitragserhöhungen und wie z.B. schon von Dr. Erwin Rasinger geforderte Selbstbehalte für Patienten, verhindert werden. Ich erwarte mir daher von den Regierungsverhandlern Druck für Ausgabensenkungen durch die Ärzte statt Patientenbelastungen und eine klare Zustimmung der Ärztekammer, vom Niederösterreichischen Präsidenten Weintögl und vom Österreichischen Präsidenten Pjeta, zu meinem Maßnahmenkatalog".

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