"Kleine Zeitung" Kommentar: "Aussätzige" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 02.02.2000

Graz (OTS) - Der Schlag, den uns Europa versetzte, dass wir auch
am Tag danach noch verletzt und verwirrt sind.

Die 14 EU-Partner behandeln Österreich wie einen Aussätzigen, um den man einen Seuchenteppich legt, um sich selbst vor Ansteckung zu schützen.

Einen Cordon Sanitaire nennt man das in Frankreich, dessen Präsident vehement die Verhängung der Quarantäne verlangte und sich durch die rotzigen Sprüche Jörg Haiders noch bestätigt fühlen durfte.

Was die 14 EU-Länder bei ihrer Einmischung in unsere Angelegenheiten allerdings nicht bedacht haben, ist der Umstand, dass der Präventivschlag die Lage nur noch auswegloser gemacht hat. Wie soll zu Östereich je wieder ein normales Verhältnis gefunden werden, wenn bereits der Verdacht, man könnte gegen die Grundsätze der europäischen Familie verstoßen, genügt, um den Stab über ein Mitglied zu brechen?

Die Drohung, Österreich in Acht und Bann zu legen, wird vermutlich das Gegenteil bewirken, was sie erreichen sollte. Wolfgang Schüssel, der sich auf das Spiel mit dem Feuer einließ, muss die blau-schwarze Koalition bilden, will er nicht selbst verbrennen. Von Neuwahlen würde jetzt erst recht nur Haider profitieren. ****

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