Der Wiener Donaukanal

Ausstellung des Stadt- und Landesarchivs

Wien,(OTS) Das Wiener Stadt- und Landesarchiv zeigt vom 2. Februar bis 2. Juni vor den Räumlichkeiten des Archivs die Ausstellung "Der Wiener Donaukanal - Metamorphosen einer Stadtlandschaft". Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung der Stadt entlang das Kanals, der ursprünglich der Hauptarm der Donau war, informiert über die Bedeutung, die dieser Wasserweg sowohl für das Stadtbild wie auch für die Wirtschaft Wiens im Lauf der Jahrhunderte hatte und hat. Die Ausstellung ist bei freiem Zugang Montag , Dienstag und Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag von 8 bis 15.30 Uhr zu besichtigen. Eine Informationsbroschüre ist im Benützerraum oder im Sekretariat des Archivs erhältlich. Termine für Ausstellungsführungen für Gruppen ab fünf Personen können unter Tel. 4000/84831 vereinbart werden.****

Der heute anscheinend so unscheinbare Donaukanal war bis zum Hochmittelalter der Hauptarm der ab der Wiener Pforte in fünf Flussarmen wild dahinströmenden Donau. Für das alte Wien, das an der Kreuzung zweier wichtiger, uralter Handelswege entstand, war
die Lage an der Donau und die gute Befahrbarkeit des Flusses mit Schiffen von vitaler Bedeutung. Ab dem Spätmittelalter aber wanderte der Hauptstrom immer weiter nach Norden - der Wiener Arm musste viel von seiner Wasserführung an die weiter nördlich fließenden Arme abgeben und bereitete deshalb durch die Jahrhunderte den Wiener Behörden, die um eine wichtige Lebensader fürchteten, immer wieder Sorgen. Aber nicht nur die drohende Versandung des Donaukanals stellte für die Stadt eine Bedrohung dar, es ging auch die sehr reale Angst vor zu viel Wasser in der Donau in Form von verheerenden Hochwässern um. Gegen beide Bedrohungen setzten sich die Wiener jahrhundertelang zwar entschlossen, aber doch mühsam und mit nur geringem Erfolg zur Wehr. Erst die Donauregulierung und schließlich der Bau der Neuen Donau brachten dauerhaften Erfolg auf diesem Gebiet.

Das Erscheinungsbild der Stadt ist durch die Jahrhunderte eng mit dem Donaukanal verknüpft geblieben. Das römische Legionslager Vindobona wurde an günstiger Stelle auf der Stadtterrasse elf
Meter über dem damals noch hier verlaufenden Hauptstrom der Donau angelegt. Als im 13. Jahrhundert der Strom nach Norden zu wandern begann, wurde unter Leopold VI. im Zuge seiner großen Stadterweiterung eine neue Umwallung angelegt. Die Schauseite der Stadt zum späteren Donaukanal bestand also hauptsächlich aus dieser mächtigen mittelalterlichen Mauer, der eine kleinere Mauer im Bereich zwischen Salzturm und Rotenturmtor vorgelagert war, um gegen den Strom hin einen effektiven Schutz der Stadt zu gewährleisten. Als im 16. Jahrhundert die Türkengefahr immer stärker wurde und sogar Wien selbst belagert wurde, entschloss man sich zu einer Erneuerung und Verstärkung der Befestigung. Auch die Donaufront der Stadt erhielt durch den Bau der neuen Befestigungen ein neues Aussehen.

Das berühmte Handschreiben Kaiser Franz Josephs I. vom 20. Dezember 1857, mit dem er die Schleifung der Mauern und die Anlage einer um die Innere Stadt führenden Ringstraße billigte, gab den Anstoß zu einer radikalen Umgestaltung des Stadtbildes. Am Donaukanalufer, dem "Franz-Josephs-Kai", entstanden allerdings
keine öffentlichen Monumentalbauten wie an der Ringstraße und auch für die adeligen und großbürgerlichen Bauträger erschien dieses Gebiet nur minder attraktiv, doch entwickelte sich hier in der Gründerzeit ein lebhaftes Verkehrs- und Geschäftszentrum.

Der gesamte Bereich um den Donaukanal war nach dem Zweiten Weltkrieg derart in Trümmer gelegt, dass nach Kriegsende an eine vollständige Neuplanung gedacht werden musste. Die praktischen Auswirkungen dieser umfangreichen Arbeiten bleiben allerdings sehr gering. Die im Krieg zerstörte Häuserreihe der Adlergasse wurde nicht mehr aufgebaut, womit diese Gasse gänzlich aus dem Stadtbild verschwand.

In der Zeit seit dem Wiederaufbau wurden immer wieder Überlegungen zu einer Neugestaltung des Donaukanalbereiches angestellt. Ein neues Erscheinungsbild gewann das stadtseitige
Ufer durch den Umbau der Stadtbahn in die U-Bahn-Linie U 4. Es gelang durch großzügige Ausgestaltung der Fußgänger- und Grünbereiche und Verlegung der Straße ans Ufer eine "Pufferzone" zum Autoverkehr zu schaffen und die Lebensqualität in den Wohn-
und Geschäftsvierteln zu verbessern. (Schluss) gab/bs

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Dr. Martin Gabriel
Tel.: 4000/81 854
e-mail: gab@gku.magwien.gv.at

PID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK