"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Auslandskritik

Ausgabe vom 1. 2.2000

Klagenfurt. - Jörg Haider hat das monatelange Kreidefressen satt. Sein mühsam praktiziertes "Wohlverhalten" hat niemanden so wirklich überzeugt und seine Fans schon unruhig werden lassen. Auf der Gerlitze war der Erwartungsdruck seiner Clientel schließlich übergroß. Haider pöbelte drauflos, was das Zeug hielt. Natürlich weiß Haider, was er riskiert, aber seine Clientel zu enttäuschen, kann und will er sich nicht leisten.
Lieber riskiert der FP-Chef die politische und wirtschaftliche Isolation Österreichs, ja die moralische Ächtung unserer aller Heimat, bevor er eine Hinterfragung der ausländischen Kritik und Sorge hier zulassen würde. Haider hat vielmehr die "Jetzt erst recht"-Formel blitzschnell wiederbelebt und weiß, was zu tun ist:
Österreich habe "bei Angriffen aus dem Ausland wie ein Mann zusammenzustehen".
Mag sein, dass sich die ÖVP wirklich schon haiderisieren hat lassen. Doch die faschistoide Ein-Mann-Formel wird nicht zünden. Der eine Mann ist Haider und sonst niemand. Er macht Sorge und nicht wir Österreicher, er startet Angriffe und wird angegriffen und nicht wir Österreicher. Haiders Versuch, die Österreicher gegen Klestil und das europäische Ausland zu mobilisieren, ist das Unterfangen eines Mannes, der eines ganzen Landes zur kläglichen Selbstverteidigung bedarf. Der sich hinter einem Land, einem Volk, einer "Demokratie" verschanzt, als hätte er nicht Mumm genug, sich selbst zu verteidigen. Ich denke, Haider hätte vielleicht den Mumm, aber die Argumente nicht. Er wirft das Land in die Bresche, um sich zu retten.

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