"Neue Zeit" Kommentar: "Der Unterschied" (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 30. 1. 2000

Graz (OTS) - Jeder kennt diese urkomische Variete-Nummer: Der Künstler, angekündigt als Meister der Taschendiebe, betritt die Bühne=

und holt sich liebenswürdig einen Herrn aus dem Publikum. Er klopft dem Herrn jovial mit der Rechten auf die Schulter, das Publikum quietscht vor Vergnügen, denn in der Linken hat der Künstler schon die Brieftasche des Herrn. Der Meister arbeitet virtuos, das Publikum kommt aus dem Lachen nicht heraus, und obwohl dem armen Teufel außer der Brieftasche auch schon die Armbanduhr, die Autopapiere samt -schlüssel, die Brille, das Schneuztuch und die Krawatte fehlen, weiß er noch immer nicht, was da eigentlich los ist. Erst als dem Herrn die Hose runter rutscht, weil der Künstler auch schon seine Hosenträger hat und die Leute im Publikum vor Lachen kaum mehr schnaufen können, erst dann merkt der Herr, dass ihm was fehlt. Kein Malheur, im Varieté bekommt der Herr unter dem Applaus des Publikums alles wieder zurück, sogar sein Schneuztüchel. Auf der politischen Bühne Österreichs spielt sich eben eine ähnliche=

Szene ab: Ein Meister des politischen Taschenspiels sackelt in aller Öffentlichkeit einen aus, der sich ganz stolz für den Helden der Szene hält. Vor einem internationalen Publikum verliert der Held gerade seine Hose. Er kennt den Unterschied zwischen Varieté und Politik nicht: Von Haider wird Schüssel nichts zurückkriegen. Nicht einmal seine Hosenträger. Darum bleiben auch allen - trotz der Komik - die Lacher im Halse stecken. Und keiner mag applaudieren.

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