WirtschaftsBlatt über den Wirtschaftsbund Wie gesund ist der Wirtschaftsbund? von Peter Muzik

Ausgabe vom 29.1.2000

Wien (OTS) - Eine schwarz-blaue Koalition wird so manches in
diesem Lande grundlegend verändern. Die neue politische Konstellation, die etwa für die Sozialpartner eine Zäsur ersten Ranges darstellt, dürfte allen Beteiligten jede Menge Probleme bescheren - aber zugleich bietet sie manchen gewaltige Chancen. So könnte etwa der Österreichische Wirtschaftsbund, bereits seit geraumer Zeit die zweifellos wichtigste und stärkste Teilorganisation der Volkspartei, zu den Gewinnern zählen. Wenn die bisher nie besonders spektakulär agierende, vermutlich unter ihrem Wert geschlagene Organisation gerade jetzt, unter neuer Führung, kraftvoll durchstarten kann, wäre für sie ein deutlich sichtbarer Aufschwung drinnen. Sofern es Christoph Leitl und sein Generalsekretär Reinhold Mitterlehner schaffen, den Wirtschaftsbund mit mehr Dynamik, mehr Innovationskraft und mehr Kreativität auszustatten, dann kann die mandatsmässig geschrumpfte, im Moment ziemlich marode ÖVP vielleicht bald wieder das für sich reklamieren, was ihr längst abhanden gekommen ist - Wirtschaftskompetenz. Die 80 Spitzenfunktionäre des ÖVP-Bundes, die heute und morgen im Rahmen einer Klausur im Schloss Hernstein darüber beraten, wie es mit Österreich weitergeht, sollten nicht vergessen, dass ihre Organisation ab sofort keine Nebenrolle spielen muss, sondern eine Hauptrolle haben kann. Ein gesunder, kraftvoll agierender Wirtschaftsbund braucht aber ein klareres Profil, damit er wiederum in der Lage ist, der Volkspartei ein klareres Profil zu geben. Die schwarze Wirtschafts-Lobby - übrigens auch die Heimat von Neo-Kanzler Schüssel - muss obendrein fähig und willens sein, den wirtschaftspolitischen Kurs der VP/FP-Regierung zu prägen. Man erwartet von ihr, dass sie offensiver agiert als bisher, immer wieder mit konkreten Ideen aufwartet und ihren Mitgliedern mehr Mut als gewohnt macht. Sollte Christoph Leitl, der als oö. Wirtschaftslandesrat eine Menge weitergebracht hat, für frischen Wind sorgen können, dann wird das die schwarz-blaue Koalition stärken und stabiler machen. Sollte der neue Obmann allerdings am Desinteresse, am Frust und an der Ignoranz der Mitglieder scheitern und folglich nichts Konkretes weiterbringen, dann gute Nacht, ÖVP. Wenn das passiert, muss man auch gleich für die ausständige Reform der Wirtschaftskammer schwarz sehen. (Schluss) PM

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