"profil": Schreiber: "Kenne Schüssel nicht"

Schlüsselfigur der CDU-Affäre im "profil"-Gespräch

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag
erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil"
hat sich der bayrische Geschäftsmann Karlheinz Schreiber
zu Vermutungen im Zusammenhang mit der Radar-
Beschaffung des österreichischen Bundesheers im Jahr
1994 geäußert. In dem vergangenen Dienstag in Toronto
geführten Gespräch nimmt Schreiber zu seiner Rolle bei
der Vermittlung des Geschäfts Stellung.

Wolfgang Schüssel war zuletzt unter Beschuss geraten,
weil sein Name in Kalendereintragungen des bayrischen Geschäftsmannes aufgetaucht ist. Die Grünen hatten einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss verlangt, um Verdachtsmomente zu klären, Schüssel oder die ÖVP
könnten für die Auftragsvergabe an den französischen
Anbieter Thomson Spenden kassiert haben.

Im "profil"-Interview bedauert Schreiber auch die
Entwicklung in der CDU-Spendenaffäre: "Es ist ein großer Schwachsinn, dass das jetzt alles auf diese Weise passiert.
Ich hätte es anders gewollt. Aber es wird am Ende ja alles rauskommen, und das wird den Leuten, die das angezettelt
haben, noch leid tun." Die Politiker an der CSU-Parteispitze bezeichnet er wörtlich als "Deppen".

"Wenn Sie in Österreich mit dem Schüssel so
weitermachen, dann dürfen Sie sich am Ende nicht
darüber wundern, dass es so viele Österreicher-Witze
gibt." Es sei "lächerlich", Schüssel wegen des
Radargeschäfts zu verfolgen: "Ist doch ein Witz, das alles.
Das können Sie so schreiben."

Schreiber bestreitet, Schüssel jemals getroffen zu haben:
"Nein, nie. Ich kenne ihn gar nicht." Seine Rolle bei dem
Geschäft beschreibt Schreiber so: "Ich hatte
Informationen, dass Österreich einen Superdeal mit
Thompson machen könnte. Ein Kompensationsgeschäft mit
270 Prozent Kompensation. Das ist doch großartig. Ich
wurde von Thompson gebeten, einen Kontakt zu
Schüsselherzustellen. Da habe ich Wiesheu (Otto Wiesheu,
bayr. Wirtschaftsminister, Anm.) angerufen und ihm
lediglich gesagt, er soll Schüssel fragen, ob er an diesem Superdeal interessiert ist. Wenn ja, dann möge Schüssel
den Präsidenten von Thomson anrufen." Dies habe
Schüssel laut Schreiber auch getan: Schreiber: "Ja. Das
Gespräch hat stattgefunden. Das Datum ist bekannt. Aber
ich weiß wirklich nicht, worüber ihr euch so aufregt."

Zu möglichen Geldflüssen gibt Schreiber an: "Ich weiß von nichts."

Auf die Frage, ob er Kontakt zu anderen österreichischen
Politikern gepflogen habe: "Ich hab überhaupt nie was zu
tun gehabt mit denen. Aber ich habe viele Freunde in
Wien." Welche "Freunde" er meine, sagte Schreiber nicht.

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