Industrie hat mit mittelfristigen Konjunkturprognosen noch keine rechte Freude

Lamel: "Mit einem Wachstum unter dem EU-Durchschnitt dürfen wir nicht zufrieden sein"

Wien(PWK) "Mit einer Konjunkturentwicklung unter dem EU-Durchschnitt darf ein Land wie Österreich, das jahrelang stolz darauf war, auf der "Überholspur" zu fahren, nicht zufrieden sein", sagte Joachim Lamel, Syndikus der Bundessektion Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich, bei einem Journalistenseminar in Krems. Nach einer Prognose des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) wird die österreichische Wirtschaft bis 2004 durchschnittlich um 2,5% wachsen. In den höher entwickelten Volkswirtschaften rechnet der internationale Währungsfonds mit einem Wachstum von 2,7%, für Europa wird ein Plus von 2,6% prognostiziert.

"Eine solche Prognose ist geradezu eine Herausforderung für die Wirtschaftspolitik, mehr zu tun, um ein höheres Wachstum zu erreichen", meinte Lamel. Erst kürzlich haben die USA nicht ganz uneigennützig Europa und Japan beim G 7-Gipfel zu Wirtschaftsreformen und mehr Flexibilität aufgefordert, um ebenfalls hohe Wachstumsraten bei niedriger Inflation zu erreichen. Diese Aufforderung habe auch im kleineren österreichischen Rahmen durchaus ihre Berechtigung.

Dabei, so Lamel, gehe es nicht um eine Wachstumsstimulierung im Wege des Deficit spending, sondern um eine Verbesserung der Angebotsseite und die im Forderungsprogramm der Bundessektion Industrie an die Bundesregierung verlangte Prioritätensetzung für Forschung und Entwicklung, für Bildung und Qualifikation. Eine Verbesserung der Angebotsseite wirke mittel- bis langfristig. Kurzfristig müsste die Exportposition Österreichs weiter verbessert werden. Lamel forderte in diesem Zusammenhang die Fortsetzung der Exportoffensive. Schließlich werde mit Einführung des Euro im Jahr 2002 ein neuerlicher Anstoß zu vermehrter Exporttätigkeit gegeben sein, wie dies auch schon die Beseitigung der Grenzen im Binnenmarkt war. "Man darf aber auch nicht übersehen, dass ein höheres Wirtschaftswachstum grundsätzlich die Situation des Budgets verbessert und sich auch auf den Arbeitsmarkt positiv auswirkt", sagte Lamel.
Aufgrund der Steuerreform 2000 und des "Familienpaketes" wird sich die Budgetsituation im heurigen Jahr weiter verschlechtern. Das ursprünglich im Stabilitätsprogramm angestrebte Ziel, das Defizit aller öffentlichen Haushalte bis zum Jahr 2002 auf 1,4 % des Bruttoinlandsprodukts zu senken, wird nach der vorliegenden Prognose mit 1,8 % deutlich verfehlt. Unter den Annahmen der Prognose, die keine zusätzlichen strukturellen Konsolidierungsmaßnahmen unterstellt, würde das Ziel des Stabilitätsprogramms auch im Jahr 2004 noch nicht erreicht werden. Daher bleibe die Budgetkonsolidierung das zentrale Thema der Wirtschaftspolitik. (MH)

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