Österreich holt beim Einsatz innovativer Medikamente auf

Arzneimittelausgaben sind 1998 nicht überdurchschnittlich gestiegen - Pharmaquote liegt mit 14 % unter dem EU-Schnitt

Wien(PWK) "Nicht die Medikamentenpreise und nicht einmal die Arzneimittelausgaben sind an der Entwicklung der Gesundheitsausgaben schuld. Vielmehr ist in Österreich ein längst überfälliger Aufholprozess beim Einsatz innovativer Medikamente zu spüren", erklärte Univ.Prof. Werner Clement vom Industriewissenschaftlichen Institut bei der Präsentation einer Studie über die Entwicklung des Arzneimittelsektors in der Wirtschaftskammer Österreich.

Die Studie zeigt, dass sich nun auch Österreich dem europäischen Trend anpasst und vermehrt moderne Medikamente für neue Therapien einsetzt. Alte, niedrigpreisige Medikamente werden immer öfter durch neue, höherpreisige Arzneimittel ersetzt. Spitzenreiter sind dabei Arzneimittel zur Senkung des Cholesterinspiegels und zur Bekämpfung von Magengeschwüren.

Während ältere Arzneimittel seit 1993 um durchschnittlich 1 Prozent pro Jahr billiger werden, sind neue, hochwirksame Präparate bei ihrer Markteinführung in der Regel teurer. Trotzdem sind die Arzneimittelausgaben in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nicht überdurchschnittlich stark gestiegen. So betrug die sogenannte Pharmaquote 1997 knapp 14% und lag damit unter dem EU-Schnitt von 15%. Am meisten zu Buche schlagen nach wie vor Ausgaben für stationäre Behandlungen im Krankenhaus, die mit rund 60% der Gesundheitsquote Kosten in der Höhe von 110 Mrd Schilling pro Jahr verursachen.

Auch bei den Verbrauchsmengen liegt Österreich mit 19,3 Packungen pro Jahr deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Spitzenreiter ist Frankreich mit 52 Packungen pro Person und Jahr, gefolgt von Italien mit 26,2 Packungen. Insgesamt liegen die heimischen Durchschnittspreise für Arzneimittel zwar auf allen Preisebenen unter dem europäischen Schnitt. In der Praxis haben sich jedoch die Ausgaben für Arzneimittel pro Kopf zwischen 1989 und 1989 nahezu verdoppelt: der Fabrikabgabepreis stieg von 879 auf 1.786. "Aber selbst bei diesen Größenordnungen liegt Österreich immer noch deutlich unter den europäischen Mittelwerten", relativiert Clement. Die steigenden Ausgaben führt er auf die verstärkte Neueinführung von innovativen, hochwirksamen Arzneimitteln zurück. Damit erweitert sich das Angebot und die Preise verändern sich. "Hier zeigt sich der große Nachholbedarf Österreichs. Wir werden uns jetzt auch bei den Arzneimitteln an die europäische Entwicklung anpassen und mit weiteren Steigerungen leben müssen", so Clement. Gleichzeitig warnte Clement davor, den hohen Standard bei den Therapieformen aufgrund von Bundesnöten mutwillig aufs Spiel zu setzen. "Wer bessere Therapien will, darf die Ausgaben nicht einfrieren".

Ulrich Bode, Präsident der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen (Pharmig), rief die Politiker zu mehr Mut und Konsequenz auf, endlich von der isolierten Betrachtung einzelner Budgetposten im Gesundheitswesen Abschied zu nehmen. Bode plädierte in diesem Zusammenhang für ein integriertes Gesundheitssystem, in dem alle Bereiche sinnvoll vernetzt sind, um im Sinne der Bürger effizient und ökonomisch arbeiten zu können. Als Beispiel für einen vernünftigen Umgang mit Arzneimitteln nannte Bode die Initiative Arznei und Vernunft. Bei diesem Gemeinschaftsprojekt der Pharmawirtschaft mit den Sozialversicherungen sei es gelungen, durch die Verordnung von neuen und damit auch teureren Arzneimitteln nicht nur die Versorgungsqualität zu seigern, sondern auch wirtschaftlicher zu verordnen. Clement regte in diesem Zusammenhang an, die Verschreibungspraxis der Ärzte generell zu durchleuchten. (MH)

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