ARBÖ und VKI: Schnellreparaturwerkstätten im Test - die Grenzen der Billiganbieter

Wien (ARBÖ/VKI) - Der ARBÖ testete gemeinsam mit dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) fünf österreichweite Ketten von Schnellreparaturwerkstätten um festzustellen, wie seriös diese sind. Sind sie wirklich so billig und so schnell, wie sie
behaupten? Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden heute die Testergbnisse präsentiert.

Test-Kriterium - ein Glühstift:

Zur Beurteilung der Schnellreparaturwerkstätten wurde bewusst eine knifflige Aufgabenstellung gewählt. Dipl.-Ing. Martin Ognar, Leiter der ARBÖ-Technik: "An einem Dieselfahrzeug wurde einer der vier Glühstifte durch Überspannung außer Gefecht gesetzt. Das hat zur Folge, dass es speziell bei tieferen Temperaturen zu Startschwierigkeiten kommt und der Motor im kalten Zustand unrund läuft sowie mehr Rauch als üblich entwickelt."

Es war aufschlussreich, wie die Firmen auf eine entsprechende Anfrage reagierten. Wenn eine Reparatur mangels Ausstattung nicht übernommen werden kann, sollte dies dem Anrufer gegenüber auch klar gesagt werden. Ein gelernter Mechaniker müsste die Fehlerquelle nach Meinung von ARBÖ-Schulungsleiter, Gottfried Moser, auf Grund der geschilderten Symptome (Startschwierigkeiten von Dieselmotoren) erkennen. Moser: "Fast immer liegt es entweder
an verrußten Glühstiften oder der Kraftstofffilter ist verunreinigt."

Zwei von neun haben daneben getippt:

Einige der kontaktierten Schnellreparaturwerkstätten informierten die Tester, dass sie keine Motoreinstellungen
vornehmen und verwiesen an eine Fachwerkstatt. Dipl.-Ing. Hannes Spitalsky, Geschäftsführer des VKI, fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: "Die Schnelltreparaturketten haben uns jedenfalls eine korrekte Antwort gegeben: ‘Das machen wir nicht’. Nur einige Betriebe wollten hingegen ihr Glück versuchen - sie gaben uns
einen Termin."

Das klappte bei den Filialen von Forstinger und Auto-Teile-
Unger (A.T.U.) ganz gut. Dort wurden tatsächlich die Glühstifte ausgetauscht. In allen Fällen - bis auf einen - wurden gleich alle vier ausgewechselt, obwohl ja nur einer defekt war. Das wird in
der Regel so gehalten, weil der Defekt von Glühstiften fast immer auf einen altersbedingten Verschleiß zurückzuführen ist. Daher ist es auch durchaus plausibel, gleich alle zu wechseln. Dipl.-Ing. Ognar: "Glühstifte halten erfahrungsgemäß an die 100.000 Kilometer. Bei einem Auto mit einem weit darunter liegenden Kilometerstand ist davon auszugehen, dass es sich um keinen altersbedingten Verschleiß handelt. Dann sollte eigentlich nur ein Stift gewechselt werden."

"Schnellservice" kann dauern:

Was die Zeitdauer betrifft, bis die Reparatur durchgeführt ist, so darf der Ausdruck "Schnellservice" nicht allzu wörtlich
genommen werden. VKI-Geschäftsführer Dipl.-Ing, Hannes Spitalsky:
"Das fängt manchmal schon beim Anrufen an. Am schlimmsten erging
es uns diesbezüglich beim Villacher Forstinger: Dreimal mussten
wir anrufen, jedes Mal ließ man uns minutenlang warten, bis uns endlich mitgeteilt wurde, "wir machen nichts am Motor"."

Die Tester empfehlen daher: Es ist ratsam vorher bei den Schnellreparaturwerkstätten anzurufen. Man sollte nicht glauben, dass man beim Schnellservice gleich dran kommt. In einem Fall (Forstinger Linz) mussten die Tester volle drei Werktage warten,
bis sie einen Termin bekamen. Auch die Reparaturdauer - das ist
die Zeit, die der Wagen in der Werkstatt verbringt - kann sich in die Länge ziehen. Für Betriebe, die hauptsächlich mit ihrer Schnelligkeit werben, sind die Wartezeiten ernüchternd. Wirklich schnell ging es nur bei A.T.U. in Graz: Dort konnte unser Tester gleich hinfahren, und er wartete tatsächlich nur eine halbe
Stunde, bis der Defekt behoben war. Ordnungsgemäß und zu einem fairen Preis.

Zusammenfassung
* Nicht alle Angebote von Schnellreparaturwerkstätten sind wirklich günstig. Lassen sie sich einen Fixpreis geben. Bestehen sie auf Ersatzteile, die vom Autohersteller zugelassen sind. "Ident-Teile" sind gleichwertig mit Originalteilen, aber billiger. Der Einbau von Nachbauteilen empfiehlt sich bei älteren
Fahrzeugen. Vorsicht bei Lockangeboten: Bei einem Ölwechsel-Pauschale bekommen sie oft das billigste Öl und keinen Ölfilter. Oder das Angebot besteht gar nur auf dem Papier, bei einer
konkreten Anfrage wird es einfach nicht erwähnt.

* Schnell ist relativ: Auch beim Schnellservice kommen sie nicht immer sofort dran. Im Test standen die Autos oft mehrer Stunden in der Werkstatt, bevor sie repariert wurden.

* Nur Standardarbeiten: Für den Austausch von Bremsen oder Auspuffanlagen eine (zumeist) kostengünstige Alternative. Bei heiklen Problemen wenden sie sich besser an eine Werkstätte mit "Full Service". Immerhin haben im Test gleich zwei Fastbox-
Filialen das falsche Teil ausgetauscht.

* Ein Tipp zum Schluss: Lassen sie sich von einer unabhängigen Stelle, wie beispielsweise den Prüfzentren des ARBÖ, eine genaue Fehlerdiagnose ihres Fahrzeuges erstellen. Damit können sie den Werkstätten einen konkreten Reparaturauftrag geben. Sie ersparen sich dadurch bei der Fehlersuche Zeit und Kosten.

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