Die Entwicklung des Arzneimittelsektors am Apothekenmarkt Österreichs im internationalen Vergleich 1989-1998

"Aufholeffekte durch Einsatz innovativer Medikamente"

Wien (OTS)- Die Finanzierbarkeit von Gesundheitsausgaben stellt seit Jahrzehnten - bei jeweils unterschiedlichen Ausgabenniveaus - ein wiederkehrendes Problem dar. Den Dämpfungsmechanismen der Staatsfinanzen (Sozialversicherung) gelingt es, auf eine bestimmte Zeit das Ausgabenwachstum zurückzustauen, allerdings setzt sich in einem Stufenmuster schließlich der längerfristige Trend wiederum durch. Beim Anstieg dieser Stufen sind die öffentlichen Gesundheitsausgaben jeweils besonders angespannt. Dennoch gilt es, auch und gerade in diesen Phasen mit Augenmaß die längerfristige Position Österreichs im internationalen Vergleich zu bestimmen.

Dieser Aufgabe hat sich die neueste "Pharmastudie" des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) gewidmet. Die Arbeit von Universitätsprofessor Dr. Werner Clement und Mag. Dr. Walter Kolb untersucht die Dynamik und Struktur der Gesundheitsausgaben Österreichs mit besonderem Augenmerk auf Arzneimittel am Apothekenmarkt.

Hierbei konnte entgegen einer landläufigen Meinung nachgewiesen werden, daß nicht die Medikamentenpreise und nicht einmal die Arzneimittelausgaben an der Entwicklung der Gesundheitsausgaben "schuld sind". Vielmehr erfuhr Österreich in der jüngsten Vergangenheit einen im internationalen Vergleich überfälligen Aufholprozeß beim Einsatz innovativer Medikamente. Damit paßt sich die Therapie mit modernen Medikamenten in Österreich dem Europäschen Trend an. Dieser Struktureffekt des Ersatzes alter niedrigpreisiger durch neue höherpreisige Arzneimittel ist die bedeutendste Komponente des Wachstums des Apothekenmarktes.

Zwt.: Die wichtigsten Ergebnisse der Studie auf einen Blick

1997 betrugen Österreichs Gesundheitsausgaben in Prozent am BIP 8,3 Prozent. Österreich liegt damit im europäischen Mittelfeld. Deutschland ist Spitzenreiter mit 10,7 Prozent, Irland wendet als "Schlußlicht" in der Statistik 6,3 Prozent seines BIP für Gesundheitsausgaben auf.

Die Arzneimittelausgaben sind in Österreich im Trend nicht überdurchschnittlich angewachsen. Die sog. "Pharmaquote" betrug 1997 14 Prozent und liegt somit unter dem EU-Schnitt von 15 Prozent. Am meisten zu Buche schlagen nach wie vor die Ausgaben für stationäre Behandlungen im Krankenhaus (58 Prozent der Gesundheitsquote oder 110 Milliarden ATS).

Die Verbrauchsmengen an Medikamenten liegen mit 19,3 Packungen pro Jahr unter dem europäischen Durchschnitt (Frankreich 51,9 Packungen p.a., Italien 26,2, Spanien 25,4).

Der Wert einer durchschnittlichen Arzneimittelpackung hat sich in Österreich ohne Distributionsmargen im Zeitraum 1989 bis 1998 von ATS 53 auf ATS 90 erhöht. Demgegenüber repräsentiert eine durchschnittliche europäische Arzneimittelpackung einen Wert von ATS 102.

Ganz allgemein liegen die heimischen Durchschnittspreise für Arzneimittel auf allen Preisebenen unter dem europäischen Schnitt. Aufgrund der Spannenkürzungen der vergangenen Jahre entsprechen die Distributionszuschläge in Österreich ebenfalls europäischen Durchschnittswerten.

Wie algebraisch nicht anders möglich, kann ein bloß durchschnittlicher mengenmäßiger Verbrauch gekoppelt mit durchschnittlichen Preisen auch nur zu durchschnittlichen Ausgabensteigerungen führen. In der Tat haben sich zwar die Arzneimittelausgaben pro Einwohner in Österreich zwischen 1989 und 1998 verdoppelt (der Fabriksabgabepreis stieg von ATS 879 auf ATS 1786), mit diesen Größen liegt Österreich allerdings anhaltend unter den europäischen Mittelwerten.

Die Rückführung der Ausgabensteigerung auf einzelne Komponenten ergibt folgendes Bild:

-Stärkste Komponente: Neueinführung von innovativen, hochwirksamen Arnzeimitteln und der damit in Zusammenhang stehenden Angebotserweiterung und Preisveränderung (hier zeigt sich der größere Nachholbedarf Österreichs als in anderen europäischen Ländern deutlich; Eine weitere Angleichung an den europäischen Trend und damit weitere Ausgabensteigerungen sind für die Zukunft zu erwarten)

-Verbilligung von "älteren" Arzneimitteln seit 1993 um knapp 1% pro Jahr

-Ausgabenerhöhung auch aufgrund höheren Arzneimittelkonsums und einer Zunahme der älteren Bevölkerung.

Durch diesen Aufholprozeß verfügt nun Österreich bei allen Therapiegruppen über eine ähnliche Struktur des Einsatzes von Arzneimitteln und damit moderner Therapieformen - wie in anderen hochentwickelten europäischen Staaten.

Nähere Informationen:

Industriewissenschaftliches Institut
Lugeck 2, A-1010 Wien

Univ. Prof. Dr. Werner Clement
Mag. Dr. Walter Kolb
Tel.: +43-1-513 44 11

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