AK: Neue Kennzeichnungsbestimmungen bei Gen-Lebensmitteln müssen streng ausgelegt werden

Wien (OTS) - Es ist positiv, dass für Lebensmittel mit Gen-Mais
und Gen-Soja endlich verbindliche Grenzwerte festgelegt werden, und auch Gen-Zusatzstoffe und -Aromen kennzeichnungspflichtig werden, sagt die AK. Jedoch für eine umfassende Kennzeichnung gibt es zu viele Ausnahmen, kritisieren die AK-Konsumentenschützer. So wird Ölen, Fetten oder Zucker aus Gen-Rohstoffen auch weiterhin ein Hinweis fehlen. Außerdem müssen Konsumenten die Sicherheit haben, dass bei Lebensmitteln mit dem Etikett "gentechnikfrei" tatsächlich keine Gentechnik im Spiel war. Bei der Ausarbeitung eines Vorschlages soll die EU-Kommission daher die strengen österreichischen Regeln übernehmen. ****

Bisher mussten Lebensmittel aus Gen-Mais oder Gen-Soja jedenfalls gekennzeichnet werden, wenn eine gentechnische Veränderung nachweisbar war. Da die entsprechende Verordnung jedoch einen Schwellenwert vorsah, der bisher noch nicht festgelegt war, herrschte Rechtsunsicherheit. Verstöße wurden "milde" sanktioniert. Ab 10.4.2000 gilt nun ein Schwellenwert von maximal 1 Prozent gentechnische Verunreinigung in der jeweiligen Zutat. Der festgelegte Schwellenwert gilt vorläufig nur für Gen-Mais und Gen-Soja. Auch fallen bestimmte Lebensmittel wie Öle, Fette oder Zucker aus transgenen Rohstoffen aus den geltenden Kennzeichnungsbestimmungen heraus. Von einer umfassenden Kennzeichnung kann daher nicht die Rede sein, kritisieren die AK-Konsumentenschützer.

Werden bei einer Kontrolle Gen-Soja oder Gen-Mais unter 1 Prozent in der jeweiligen Zutat nachgewiesen, muss es sich dabei um eine zufällige und "unvermeidbare Verunreinigung" handeln, steht in der EU-Verordnung (Beispiel: Verunreinigung durch nicht ordnungsgemäß gereinigte Transportbehälter). Die Hersteller müssen den Behörden nachweisen können, dass sie es vermieden haben, gentechnisch veränderte Produkte zu verwenden. Die AK-Konsumentenschützer fordern eine strenge Auslegung dieser Bestimmung. Hersteller müssen durch Warenstromdokumentationen und Zertifikate klar darlegen können, dass sie konventionelle Ausgangsstoffe und -zutaten verwendet haben.

Verlass auf "Gentechnikfrei"
Außerdem muss sichergestellt werden, dass bei Lebensmitteln, die ein "gentechnikfrei"-Pickerl tragen, auch keine Gentechnik im Spiel war. Ein Schwellenwert von 1 Prozent ist hier jedenfalls zu hoch und eine Nicht-Verpflichtung zur Kennzeichnung nach den neuen Regeln darf kein Freibrief dafür sein, warnen die AK-Konsumentenschützer, zumal es auf EU-Ebene noch keine derartige Definition gibt. Ferner schließt die österreichische Definition für "gentechnikfrei" eine Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen bzw gentechnisch veränderten Produkten während des gesamten Lebenszyklusses des Lebensmittels aus. Die EU-Kommission soll hier die - strengen - österreichischen Regeln übernehmen, verlangen die AK-Konsumentenschützer.

Gen-Zusatzstoffe bzw -Aromen-Kennzeichnung wird meist fehlen Künftig müssen auch Zusatzstoffe und Aromen, die aus oder mit Hilfe von gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden, gekennzeichnet sein, wenn dies noch nachweisbar ist. In der Praxis heißt das, dass gentechnisch verändertes Sojalecithin oder Mais-Stärke kennzeichnungspflichtig sein werden. Zusatzstoffe, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen produziert werden (zB Beta-Carotin, Ascorbinsäure) aber nicht, weil dies in der Regel im fertigen Zusatzstoff nicht mehr nachweisbar ist.
Bei der Mehrzahl der Zusatzstoffe und Aromen wird man den Hinweis somit vergeblich suchen und Enzyme wurden erst gar nicht in die neuen Kennzeichnungsbestimmungen aufgenommen, kritisieren die AK-Konsumentenschützer.

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