"Neue Zeit Kommentar": "Isoliert?" von Peter Kolb

Ausgabe vom 27. 1. 2000

Graz (OTS) - Der österreichische Botschafter in Paris, Franz
Ceska, ist einer der Spitzendiplomaten Österreichs. Wenn ein Mann von seiner Besonnenheit ankündigt, eine eventuelle Koalition von FP und VP werde große Anforderungen an Österreichs Diplomatie stellen, dann heißt das schon allerhand. Nicht nur, weil der Ex-Generalsekretär der Industriellenvereinigung auch die wirtschaftlichen Auswirkungen einzuschätzen vermag.

Ökonomische Bande zwischen den Staaten sind zwar nicht vorrangig von politischen Befindlichkeiten abhängig. Aber eine Isolierung hat Österreich schon einmal im Zuge der Waldheim-Affäre erlebt. Und auch real existiert die Isolation gegenüber einem Teil der politischen Exponenten Österreichs. Wer jemals Sitzungen des EU-Parlaments besucht hat, kann feststellen, wie die überwiegende Mehrheit der europäischen Kollegen mit den freiheitlichen Europa-Abgeordneten umgeht. Sie ignoriert sie schlicht. Das kommt nicht aus lauter bösem Willen gegenüber Österreich. Warum das Ausland sensibel reagiert, liegt allein in der FP und ihrem Obmann begründet, und nicht weil Österreich ein Naziland wäre. Und bei aller "Mir san mir"-Mentalität - die übrigens auch keine heimische Spezialität ist - sollte niemandem die Reaktionen der EU-Führungsnationen Deutschland und Frankreich egal sein. Es hat nun mal Gewicht in der Welt, wenn der deutsche Kanzler sich besorgt über eine mögliche Regierungsbeteiligung einer Partei äußert, "deren Chef
sich nicht eindeutig von Hitler distanziert".

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