"Neue Zeit" Kommentar: "Ohne Pille und Kondom" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 25. 1. 2000

Graz (OTS) - Wolfgang Schüssel ist dort, wo er offensichtlich
immer hin wollte: Vor der Aufnahme von Regierungsgesprächen mit der FP. Sein langes Taktieren hat seinen Wert allerdings reduziert:
Jetzt, wo die SP der immer neuen VP-Forderungen müde geworden ist und Schüssel damit auch nur mehr eine Option hat, gibt sich die FP spröde. Keine Rede mehr, dass sie ihn zum Bundeskanzler machen könnte, wie man in der VP erhofft hatte.

Die Kommandos gibt jetzt der FP-Chef. Wenn verhandeln, dann aber gefälligst rasch: "Ein bisserl schwanger geht nicht", erklärt Haider, der Schüssel offensichtlich zur "Partnerschaft ohne Pille und Kondom" nötigen will.

In welche Gesellschaft Schüssel sich da begeben will, das hat auch Thomas Prinzhorn wieder einmal unmissverständlich zu erkennen gegeben: Klestil habe sich "schon jetzt eine blutige Nase geholt", der Bundespräsident werde sich noch "einen blutigen Kopf" holen, führte er die Boxer- und Schlägersprache in den politischen Diskurs ein. Was gibt Schüssel die Gewissheit, dass die FP nicht auch mit ihm so umgeht, wenn er sich in einer Regierung nicht willig zeigt? Und dass man das dort nicht nur rhetorisch, sondern wörtlich meint? Die VP hat das Platzen der Gespräche mit der SP mit der "Sturheit" von Viktor Klima, Rudolf Edlinger und vor allem Rudolf Nürnberger begründet. Was wirklich stur ist, wird Schüssel noch erleben. Und bei aller Sorge, was Blau-Schwarz für unser Land bedeutet: Ihm möchte man das gönnen.

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